notesofmalt.com
Tastingnotes & Whiskyblog

Glen Grant - Die Geschichte 

Glen Grant - Die Gründung 1840 bis ins Jahr 1871

Die Brennerei Glen Grant wurde um 1840 von den Brüdern John und James Grant in Rothes gegründet. John wird bereits 1841 mit dem Zusatz „Glen Grant Distillery“ in einer Tageszeitung genannt, sein Bruder hingegen als Banker. Andere Quellen nennen James einen Notar.

Beide Brüder konnten bereits vor der Gründung von Glen Grant Erfahrung mit einer Brennerei sammeln, zusammen mit den Walkers betrieben sie als „Walker, Grant and Co.“ die Brennerei Aberlour. Ein Blick in die Adressbücher von 1838 weist James Grant als Juristen in Elgin aus, John Grant hingegen als „distiller, Aberlour“. Naheliegend, dass John Grant für den operativen Betrieb von Aberlour sowie Glen Grant verantwortlich war und später auch als geschäftsführender Teilhaber erwähnt wird.

John Grant wurde 1797 geboren und arbeitete nach seiner schulischen Ausbildung zuerst auf der Farm seines Vaters, bevor er anschließend Arbeit bei einem Getreidehändler aufnahm. In dieser Tätigkeit bereiste John große Gebiete im oberen Banffshire und Morayshire, erwarb Getreide und verschiffte dieses nach Süden. Nach 1823 widmete er sich dem Whisky und erwarb als Händler große Mengen unter anderem bei Glenlivet und Delnashaugh, die er nach Süden exportierte und an Großhändler verkaufte. Als Mr. Gordon sich aus seiner Brennerei zurückzog, übernahm John Grant mit seinen Partnern Aberlour. Er soll mindestes 7 Jahre in Aberlour gelebt und gearbeitet haben, bis dann der Pachtvertrag auslief, worauf hin er sich nach einem neuen Standort umsah. So überließ der Earl of Seafield den Grants für ihre neue Brennerei ein Pachtgrundstück in Rothes, etwas später kamen dann die nahegelegene Farmen Drumbain und Auchinroath hinzu.

John Grant kam dann im Juni 1840 nach Rothes. Dabei starteten die Grants nicht vollkommen neu, auch frühere Mitarbeiter von Aberlour folgten nach Rothes, so z.B. der Mälzer Robert McConnachie.

Für den frühen Erfolg von Glen Grant waren mehrere Punkte wohl entscheidend. John hatte bereits operative Erfahrung mit einer Whiskybrennerei, zudem konnte er in seiner Zeit als Händler zahlreiche Kontakte knüpfen. James wurde 1848 Provost von Elgin, quasi Bürgermeister, und war überregional vernetzt. Zudem wurde James 1855 leitender Direktor der Morayshire Railway, sein Bruder John ebenfalls Großaktionär und weiterer Direktor. Die zwei Brüder verfügten also über kaufmännisches und rechtliches Wissen, wussten eine Brennerei zu betreiben, waren poltisch vernetzt und trieben den Eisenbahnausbau voran.

Der im März 1842 datierte Bericht über Rothes im New Statistical Account beschreibt, dass „J. und J. Grant“ innerhalb der vorangegangenen zwei Jahre eine der größten Brennereien im Norden errichtet hatten. Obwohl der Name Glen Grant darin nicht genannt wird, nennt der Bericht eine jährliche Whiskyproduktion von 30.000 bis 40.000 Gallonen und eine Produktionskapazität von knapp 1.500 Gallonen pro Woche.

Auch einen konkreten Produktionsnachweis finde ich: Bereits im September 1842 berichtete der Inverness Courier von einer Lieferung fast vierzig Quarter Gerste an die Glen Grant Brennerei in Rothes. Die als „italienische Gerste“ bezeichnete Ernte stammte von der Farm eines Herrn Christie in Ballimore, Strathspey, und wurde wegen ihrer außergewöhnlichen Qualität hervorgehoben.

Am 6. März 1849 verursachte ein heftiger Sturm erhebliche Schäden an der Glen-Grant-Brennerei in Rothes und deckte sie nahezu vollständig ab. Das Banffshire Journal berichtete wenige Tage später, dass nach einer ersten Schätzung selbst 100 Pfund für die Reparatur der Schäden nicht ausreichen würden.

Im August 1864 verstarb John Grant, sein Bruder James führte Glen Grant bis zu seinem eigenen Tod im Jahr 1872 fort. Anschließend übernahm sein Sohn, Johns Neffe, James Grant (geb. 1847) die Brennerei.

Ein guter Zeitpunkt mal eine historische Karte heranzuziehen, hier sehen wir die Brennerei im Jahr 1871.


James Grant junior übernimmt 

Nach dem Tod seines Vaters 1872 war die Übernahme von Glen Grant durch James Grant junior rechtlich umstritten. James Grant junior war bereits seit 1869 Geschäftspartner seines Vaters. Nach dessen Tod am 23. Mai 1872 stritt er mit seiner Mutter Julia Matilda Grant als Treuhänderin des Nachlasses über die Bedingungen der Übernahme. Dabei ging es neben der Brennerei auch um Glen Grant House samt Garten und die Farm-Pachtverträge von Auchinroath. Das Gericht entschied 1874, dass James die testamentarischen Bedingungen erfüllen musste. Der Bericht nennt dabei die Abgeltung des väterlichen Geschäftsanteils, eine Zahlung von 750 Pfund sowie jährlich 230 Pfund bis zur Volljährigkeit des jüngsten Kindes seines Vaters. Die zusätzlichen 1.000 Pfund aus dem Gesellschaftsvertrag musste er dagegen nicht zahlen.

1877 wurde Glen Grant unter James Grant junior erheblich erweitert. Ein zeitgenössischer Bericht beschreibt nahezu verdoppelte Mälzungsanlagen, drei zusätzliche Gärbottiche und ein neues Brennhaus mit zwei weiteren Brennblasen, während die beiden bisherigen weiterarbeiteten. An den neuen Brennblasen waren bereits Purifier angebracht, die der Artikel als eigene Erfindung Grants bezeichnet. Senkrechte Röhrenkondensatoren ersetzten die bisherigen Kühlschlangen; eine Dampfmaschine ergänzte bei Wassermangel den Antrieb. Die Zeitung schätzte, dass der Ausbau die Leistungsfähigkeit des Betriebs mehr als verdoppelte.

Am Abend des 13. Februar 1879 kam es bei Glen Grant zu einer schweren Explosion. Eine undichte Brennblase sollte mit Zustimmung und unter Aufsicht der Steuerbeamten entleert werden; die Arbeiter schöpften ihren Inhalt durch die Einstiegsluke mit Eimern heraus. Als ein Mann eine Lichtquelle hinein hielt, um den Füllstand zu prüfen, entzündeten sich die alkoholhaltigen Dämpfe. Die Explosion schleuderte den oberen Teil der Brennblase durch das Dach bis auf ein entferntes Feld. Drei Arbeiter wurden verletzt, einer davon besonders schwer. Der zeitgenössische Bericht rechnete jedoch nicht mit einem tödlichen Ausgang.

Im Februar 1881 zerstörte ein Brand bei Glen Grant den Maschinenraum und den neuen Brennraum samt ihrer Ausstattung. Als Ursache wurde ein überhitzter Rauchgaszug vermutet, durch den eine hölzerne Trennkonstruktion Feuer gefangen hatte. Die Einwohner von Rothes verhinderten eine weitere Ausbreitung. Der Schaden betrug nach den Zeitungsberichten rund 1.500 Pfund und war versichert.

Am 19. Mai 1883 gegen 14 Uhr fiel die größte Brennblase von Glen Grant beim Befüllen mit Wash vollständig in sich zusammen. Nach Angaben des Greenock Telegraph enthielt sie 2.500 Gallonen Flüssigkeit; als Ursache wurde ein durch die Abkühlung entstandener Unterdruck vermutet. Ob das dafür vorgesehene Ventil geöffnet worden war, blieb unklar. Niemand wurde verletzt, doch die Destillation musste bis zur Behebung des Schadens unterbrochen werden. Der Greenock Telegraph nannte 100 Pfund unmittelbaren Verlust, andere Quellen hingegen 1.000 Pfund.

Und natürlich besuchte auch Alfred Barnard die Brennerei auf seiner Whiskyreise, er widmete Glen Grant einen sehr umfangreichen Bericht, welchen hier hier zusammengefasst wiedergebe.

Alfred Barnard beschreibt Rothes 1886 als einen von bewaldeten Bergen und bewirtschafteten Feldern umgebenen Ort im Speytal. Glen Grant lag an einem Bach, der Wasser zum Maischen und die Kraft zum Antrieb der Maschinen lieferte. Die Brennerei war 1840 von John und James Grant gegründet worden und gehörte bei Barnards Besuch Major James Grant junior. Wiederholte Erweiterungen hatten sie nach seiner Darstellung zur größten Brennerei ihrer unmittelbaren Umgebung gemacht.

Die Gebäude bedeckten etwa drei Acres, das gesamte Betriebsgelände mehr als zwanzig Acres. Die überwiegend aus Moray stammende Gerste wurde vor Ort gemälzt. Die Darre arbeitete mit Torf und Koks; anschließend gelangte das Malz über eine Walzenmühle in den Maischbottich. Acht Gärbottiche fassten jeweils 7.000 Gallonen. Für die Destillation standen zwei Wash Stills mit 5.000 und 2.500 Gallonen sowie zwei Spirit Stills mit 2.500 und 1.600 Gallonen bereit. Jede Brennblase besaß einen Purifier, der mitgerissene Bestandteile zurückführen sollte. Barnard nennt sowohl senkrechte Kondensatoren als auch Kühlschlangen. Wasserkraft und Dampfmaschinen trieben die Anlagen an. Eine Dampfmaschine mit 24 Pferdestärken versorgte einen Dynamo für die elektrische Beleuchtung der gesamten Brennerei und des Wohnhauses. Barnard bezeichnete Glen Grant als den ersten Fabrikationsbetrieb im Norden Schottlands mit elektrischer Beleuchtung; ein Einführungsjahr nannte er nicht.

In dreizehn steinernen Lagerhäusern lagen mehr als 500.000 Gallonen Whisky, überwiegend für Kunden. Zum Betrieb gehörten eine Küferei, Schmiede, Tischlerei und Maschinenwerkstatt sowie Stallungen und ein Wirtschaftshof, dessen Vieh mit Brennereirückständen gefüttert wurde. Hydranten und eine fahrbare Feuerspritze dienten dem Brandschutz.

Die jährliche Produktionskapazität betrug laut Barnard 234.000 Gallonen. Tatsächlich wurden 1883/84 insgesamt 172.917 und 1884/85 noch 140.370 Gallonen hergestellt. Der Whisky ging hauptsächlich nach England, Schottland und in die Kolonien und erzielte sowohl für den unvermischten Genuss als auch für Blends hohe Preise.

Und im Buch von Barnard findet sich auch eine Zeichnung, ich glaub ich hätte die Brennerei nicht erkannt.


Glen Grant von 1886 bis zur Jahrhundertwende 

Im Jahr 1886 war nicht nur der Besuch Barnards, den ich bereits im vorherigen Beitrag wiedergab, auch wurden 1886 die Gärten hinter der Brennerei angelegt.

Am 9. Januar 1892 ereignete sich in der Mälzerei von Glen Grant ein tödlicher Arbeitsunfall. Der leitende Mälzer William Robertson wollte mit drei Helfern eine Luke öffnen, durch die Gerste aus einem Speicher in den darunterliegenden Behälter gelangen sollte. Dabei verlor er den Halt und wurde unter dem Getreide begraben. Trotz sofortiger Rettungsversuche konnte er erst nach etwa zehn Minuten geborgen werden und war bereits verstorben.

Am 22. März 1892 ereignete sich in der Malzmühle von Glen Grant eine Explosion, nachdem es dort bereits etwa einen Monat zuvor einen ähnlichen Vorfall gegeben hatte. Der allein im Mühlenraum arbeitende James Fraser konnte sich durch die Flammen zum Ausgang retten und seine Kollegen warnen, erlitt dabei jedoch schwere Verbrennungen. Das Feuer wurde rasch unter Kontrolle gebracht, sodass größerer Sachschaden ausblieb.

Ein Sonderzug transportierte am 7. November 1892 insgesamt 12.000 Gallonen Whisky aus der Glen Grant Distillery von Rothes zum Aberdeener Blender Black & Ferguson. Die Lieferung war für dessen im Inland und Ausland vertriebene Blends bestimmt. Die Meldung belegt sowohl Glen Grants Rolle als Lieferant für Blended Whisky als auch die Bedeutung der Eisenbahn für den Absatz.

Im Juni 1896 erwarben J. & J. Grant das Anwesen der Morayshire Malting Company in der Station Street in Rothes. Der Banffshire Advertiser berichtete am 18. Juni über den freihändigen Verkauf und nannte einen Kaufpreis von ungefähr £5.000. Dieser Erwerb bildete nach der bisherigen Recherche die Grundlage für den späteren Ausbau zu Glen Grant No. 2, also der zweiten Glen Grant Brennerei um mitten im Boom Ende des Jahrhunderts im Wettbewerb um Markanteile und Kapazitäten mitzuhalten. Anfang November 1896 erhielt Major Grant die Genehmigung, eine Rohrleitung für die Glen Grant Distillery in etwa sieben Metern Höhe über die öffentliche Straße zu führen. Die Meldung dokumentiert die Vorbereitung einer Verbindung zwischen den Brennereianlagen nach dem Erwerb der Mälzerei in der Station Street wenige Monate zuvor. Diese Pipeline oder „Whisky Pipe“ über die Hauptstraße hinweg sollte den New Make der unteren Brennerei Glen Grant 2 zum Spirit Safe von Glen Grant 1 führen, wohl eine steuerliche Auflage. Glen Grant No. 2 erhielt zudem 1898 einen Wasseranschluss.

Die Pipeline ist zudem gut auf späteren Fotos dokumentiert, der Name Glen Grant 2 fast vergessen. Immerhin produzierte diese im Boom entstandene Brennerei nur kurz und musste krisenbedingt wieder stillgelegt werden. In ihrem zweiten Leben, mehr als ein halbes Jahrhundert später, wurde sie als Caperdonich bekannt.


Glen Grant zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte sich die Glen Grant Distillery in Rothes längst zu einer bedeutenden Whiskybrennerei in der schottischen Speyside entwickelt. Seit ihrer Gründung im Jahr 1840 war das Unternehmen stetig gewachsen. Mit der Errichtung einer zweiten Brennerei, Glen Grant No. 2, in den 1890er-Jahren hatte die Eigentümerfamilie ihre wirtschaftlichen Ambitionen noch einmal unterstrichen. Doch die Jahre bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs waren nicht nur von industrieller Entwicklung geprägt. Historische Zeitungsberichte dokumentieren auch tragische Arbeitsunfälle, persönliche Auseinandersetzungen des Brennereibesitzers und Streitigkeiten um die Vermarktung des Whiskys.

Am 1. Februar 1900 ereignete sich im Umfeld der Glen Grant Distillery ein tragischer Arbeitsunfall. Der als Boilerman beschäftigte James Kelman kam ums Leben. Über den Vorfall berichtete der Huntly Express am folgenden Tag.

Im Frühjahr 1903 geriet der Eigentümer der Glen Grant Distillery, James Grant, aus persönlichen Gründen in die Schlagzeilen. Ein Scheidungsverfahren wurde vor Gericht ausgetragen und fand Eingang in die regionale Presse. Am 22. April 1903 wurde der Scheidungsantrag abgewiesen. Damit war die Angelegenheit allerdings noch nicht vollständig abgeschlossen. Auch im folgenden Jahr berichteten Zeitungen über juristische Auseinandersetzungen, insbesondere über die Kosten des Verfahrens und deren Behandlung vor dem House of Lords. Die Berichterstattung zeigt, welche öffentliche Aufmerksamkeit die privaten Angelegenheiten wohlhabender und gesellschaftlich einflussreicher Unternehmer in dieser Zeit erfahren konnten. James Grant war nicht nur Eigentümer einer bedeutenden Whiskybrennerei, sondern gehörte auch zu den bekannten Persönlichkeiten der Region.

Eine wichtige wirtschaftliche Veränderung hatte sich bereits 1902 vollzogen. Die in den 1890er-Jahren errichtete zweite Brennerei, Glen Grant No. 2, stellte ihren Betrieb ein. Die Anlage war ursprünglich geschaffen worden, um die Produktionskapazitäten des Unternehmens zu erweitern. Sie lag in unmittelbarer Nachbarschaft zur ursprünglichen Glen Grant Distillery und war technisch mit dieser verbunden.

Im November 1904 erschien in der schottischen Presse eine Warnung im Zusammenhang mit der Bezeichnung „PURE GLEN GRANT“.

Die Veröffentlichung ist ein bemerkenswertes Zeugnis für die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung von Markennamen in der Whiskyindustrie. Mit der wachsenden Verbreitung schottischen Whiskys über die Grenzen der Produktionsregionen hinaus wurde die eindeutige Kennzeichnung der Herkunft immer wichtiger. Für etablierte Brennereien wie Glen Grant war der eigene Name längst zu einem wertvollen wirtschaftlichen Gut geworden. Die Verwendung ähnlicher oder möglicherweise irreführender Bezeichnungen konnte daher zu Konflikten führen.
Die Zeitungsanzeige von 1904 dokumentiert, dass die Frage der korrekten Bezeichnung von Whisky auch für Glen Grant eine Rolle spielte.

Spätestes 1916 wird Glen Grant kriegsbedingt stillgelegt worden sein.


Nach dem ersten Weltkrieg

Im Frühjahr 1919 bemühte sich Glen Grant um Wiederinbetriebnahme, ich vermute dass diese spätestens im Herbst 1919 vollzogen wurde.

Im Januar 1921 kam es in der Glen Grant Distillery zu einem Arbeitskampf. Die Beschäftigten forderten für Überstunden einen Zuschlag von 25 Prozent auf den regulären Lohn. Nachdem die Forderung der Gewerkschaft akzeptiert worden war, nahmen die Arbeiter ihre Tätigkeit wieder auf. Auch bei Speyburn wurde der höhere Überstundensatz gewährt, dort war es jedoch nicht zu einer Arbeitsniederlegung gekommen.

Glen Grant im Jahr 1923

Am 13. Oktober 1923 erschien im Fachmagazin The Wine and Spirit Trade Record ein ausführlicher Bericht über die Glen Grant Distillery. Der Artikel gehört zu einer zwischen 1922 und 1929 veröffentlichten Serie von Brennereibesuchen, die rund hundert Jahre später von James Eadie Ltd. in The Distilleries of Great Britain & Ireland neu herausgegeben wurde.

Der Bericht beschreibt Glen Grant als eine für ihre Zeit ausgesprochen modern ausgestattete Brennerei. Besonders bemerkenswert war die Mälzerei mit zehn rotierenden pneumatischen Mälztrommeln. Laut dem Artikel verwendeten damals nur Glen Grant und die benachbarte Speyburn Distillery dieses Verfahren. Das Malz wurde anschließend in vier Kilns getrocknet, deren Öfen mit Torf und Koks befeuert wurden. Wöchentlich wurden rund 3.000 Bushel Malz verarbeitet.
Im Tun Room standen 14 Washbacks. Für die Destillation waren vier Brennblasen mit jeweils 2.000 bis 3.000 Gallonen Fassungsvermögen in Betrieb. Die Stills verfügten über Purifier; zur Kondensation dienten ein offener Worm Tub und zwei zusätzliche Kondensatoren. Die durchschnittliche Produktion wird mit mehr als 8.000 Proof Gallons Whisky pro Woche angegeben. In den Lagerhäusern konnten zeitweise bis zu 1,7 Millionen Gallonen Whisky unter Zollverschluss liegen.

Auch technisch war Glen Grant bemerkenswert: Eine horizontale Dampfmaschine mit 30 PS trieb Teile der Produktion an, während eine weitere Dampfmaschine und eine Wasserturbine Elektrizität erzeugten. Hervorgehoben wird außerdem die bereits 1883 von James Grant eingeführte elektrische Beleuchtung. Besonders interessant ist der Zustand der Glen Grant No. 2 Distillery, der späteren Caperdonich. Sie lag etwas abseits der Hauptbrennerei an der Eisenbahnlinie und war 1923 weiterhin vollständig für die Whiskyherstellung ausgerüstet, wurde zu diesem Zeitpunkt jedoch ausschließlich zum Mälzen genutzt.

Die Auffälligkeiten aus dem Bericht: Die Mälzereien von Glen Grant 2 waren wohl im Betrieb. Außerdem heißt es, Glen Grant wäre 1883 mit elektrischem Licht ausgestattet worden, andere Quellen und die Brennerei selber nennen jedoch1861. Theoretisch wäre eine Kombination aus Dynamo und z.B. einer Bogenlampe auch 1861 bereits möglich gewesen, 1883 erscheint mir jedoch deutlich plausibler und auch dann wäre Glen Grant immer noch ein Vorreiter in der Elektrifizierung in der Industrie gewesen.

Das Magazin bzw. der Reprint gibt auch einige Aufnahmen von 1923 wieder, zwei davon zeige ich hier. Die Originale liegen in der British Library.Die Betriebsfeuerwehr 


Die eigene Betriebsfeuerwehr

Bei einem verheerenden Hausbrand in Rothes im Juli 1924 kamen die Frau und drei Kinder des Zollbeamten Patrick Moroney ums Leben. Die örtliche Feuerwehr erhielt Unterstützung von Glen Grant: Eine Feuerlöschmaschine der Brennerei und mehrere freiwillige Helfer eilten zum Brandort. Der Einsatz ist ein früher Beleg dafür, dass die technische Ausrüstung und Beschäftigten von Glen Grant auch für den Brandschutz in Rothes eingesetzt wurden.

Im Juli 1926 rückte die eigene Feuerwehr der Glen Grant Distillery zu einem Brand im Seafield Hotel in Rothes aus. Das Feuer hatte die öffentliche Bar erfasst und vernichtete größere Mengen Whisky und Bier. Als die Feuerwehr von Glen Grant eintraf, musste sie die großen Schaufensterscheiben einschlagen, um Zugang zum brennenden Gebäude zu erhalten. Der Bericht belegt ausdrücklich, dass Glen Grant spätestens 1926 über eine eigene Feuerwehr verfügte, die auch außerhalb der Brennerei in Rothes eingesetzt wurde.

Als im März 1929 ein Großbrand in der Glenlossie Distillery bei Elgin ausbrach, wurde neben der Feuerwehr von Glen Rothes auch die eigene Feuerwehr der Glen Grant Distillery alarmiert. Die Mannschaft aus Glen Grant hielt sich in Rothes einsatzbereit, musste schließlich jedoch nicht mehr eingreifen. Bereits 1924 war die leistungsstarke Feuerwehr von Glen Grant bei einem tödlichen Hausbrand in Rothes eingesetzt worden. Die Berichte zeigen, dass die Brennerei in den 1920er Jahren über eine eigene Betriebsfeuerwehr verfügte, die auch bei Bränden außerhalb des Werksgeländes alarmiert wurde.

Glen Grant nach 1930

Am 7. Mai 1931 stirbt James Grant in seinem Wohnsitz, dem Glen Grant House. Manche Medien nennen 83 Jahre, andere 84. Die Brennerei wird fortan von seinem Enkel Douglas Mackessack geführt.

Wenige Monate nach dem Tod von Major James Grant bot die Glen Grant Distillery zwei Fahrzeuge zum Verkauf an. Im Juli 1931 wurde ein Overland Landaulette von 1922 mit rund 17.000 Meilen Laufleistung angeboten, im Oktober folgte eine Austin 20 Ranelagh Limousine von 1928 mit 15.332 Meilen. Beide Fahrzeuge waren von einem Chauffeur gefahren beziehungsweise gepflegt worden, Angebote sollten direkt an den Manager der Brennerei gerichtet werden. Die zeitliche Nähe zum Tod Major Grants im Mai 1931 lässt vermuten, dass die Verkäufe mit der Neuordnung seines Nachlasses oder des Brennereifuhrparks zusammenhingen; einen direkten Beleg dafür liefern die Anzeigen jedoch nicht.

Nach seinem Tod hinterließ Major James Grant ein Vermögen von rund £291.000. In seinem Testament bedachte er mehrere langjährige Beschäftigte. James Mackie Cumming, Manager der Glen Grant Distillery, erhielt £1.500 ausdrücklich als Anerkennung seiner „langen und treuen Dienste“, während Peter Stewart, Brewer bei Glen Grant, £500 erhielt. Auch mehrere Hausangestellte sowie sein langjähriger Kutscher wurden bedacht.

Für die weitere Geschichte der Brennerei besonders bedeutend war eine Verfügung Major Grants: Seine Treuhänder sollten das bisherige Unternehmen der Glen Grant Distillery so bald wie praktikabel in eine private Limited Company umwandeln. Glen Grant House vermachte er seiner Tochter Mary Sinclair Grant, dem einzigen Kind aus seiner letzten Ehe. Damit liefert das Testament die unmittelbare Erklärung für die kurz darauf erfolgte gesellschaftsrechtliche Neuorganisation der Brennerei.

Während der vorherigen Krisenperioden war die schwerwiegendste Auswirkung die Stilllegung der Erweiterung „Glen Grant 2“, ansonsten kann ich keinen Zeitraum nennen, der die gesamte Brennerei aus rein wirtschaftlichen Gründen stillgelegt hat. Während alle anderen Brennereien in der Region bereits auf unbestimmte Zeit stillgelegt waren, begann Glen Grant im Winter 1932 eine kurze Produktionsphase, doch im April 1933 wurde die Arbeit wieder eingestellt. Die folgende Silent Season endete dann Oktober 1933, Glen Grant brannte wieder Whisky. Im Winter 1933 wurde aus Glen Grant wie im Testament festgelegt eine Limited.

Wann genau die Brennerei ihre Produktion kriegsbedingt einstellte, kann ich nicht rekonstruieren. Jedoch folgte Douglas Mackessack seinem Großvater James Grant in seiner militärischen Freiwilligenkarriere, der Rang eines Majors kam nicht von ungefähr. So trat Douglas Mackessack, Major, The Seaforth Highlanders, früh in den zweiten Weltkrieg ein und wurde im August 1940 als vermisst gemeldet. Douglas wurde in Frankreich in Gefangenschaft genommen und überlebte den zweiten Weltkrieg.


Glen Grant nach 1945

Auch die genaue Wiederinbetriebnahme nach dem Krieg kann ich aktuell noch nicht rekonstruieren. Im September 1948 erreichte die erste Schiffsladung Gerste seit dem Zweiten Weltkrieg den Hafen von Lossiemouth. Die insgesamt 300 Tonnen Gerste stammten aus England und waren für die Glen Grant Distillery in Rothes bestimmt. Über diese Lieferung berichtete der Northern Scot and Moray & Nairn Express am 18. September 1948. Die Meldung dokumentiert die Rohstoffversorgung der Brennerei in der unmittelbaren Nachkriegszeit, somit war die Brennerei spätestens 1948 wieder in Betrieb.

Am 16. September 1958 erhielt die Glen Grant Distillery königlichen Besuch. Prinzessin Margaret, die jüngere Schwester von Königin Elisabeth II., hielt sich zu einem privaten Aufenthalt in Moray auf und hatte ausdrücklich darum gebeten, die Brennerei in Rothes besichtigen zu dürfen. Geschäftsführer Major Douglas Mackessack und Betriebsleiter James Smith führten die damals 28-jährige Prinzessin durch die Anlagen. Während ihres Rundgangs unterhielt sie sich auch mit dem Oberküfer James Reid, der bereits seit 50 Jahren für Glen Grant tätig war. Zahlreiche Schulkinder und Einwohner von Rothes begrüßten den königlichen Gast. Über den Besuch berichteten die Londoner Daily News am 17. September und der Northern Scot and Moray & Nairn Express am 20. September 1958.

Am 17. Mai 1959 konnte ein größerer Brand in der Glen Grant Distillery durch das schnelle Eingreifen der Mitarbeiter verhindert werden. Als der Mälzer Charles Ross Rauch aus dem Elevatorturm bemerkte, schlug er gemeinsam mit Gordon Ogilvie Alarm. Kesselwärter Willie Hodge mobilisierte daraufhin die Belegschaft, die den Brand zunächst mit Feuerlöschern sowie zwei betriebseigenen Feuerlöschpumpen und einer Dampfpumpe bekämpfte. Als sich das Feuer weiter ausbreitete, wurden die Feuerwehren aus Rothes und Aberlour hinzugezogen, die den Brand schließlich unter Kontrolle brachten. Der Schaden beschränkte sich auf einen kleinen Teil des Daches des Elevatorturms. Über den Vorfall berichteten der Aberdeen Press and Journal am 18. Mai und der Northern Scot and Moray & Nairn Express am 23. Mai 1959.
Die wirtschaftliche Entwicklung

Die 1950er-Jahre waren für Glen Grant von einem anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung geprägt. Einen entscheidenden Einschnitt bildete 1952 der Zusammenschluss der bisherigen Eigentümergesellschaft J. & J. Grant, Glen Grant Ltd. mit George & J. G. Smith Ltd., dem Betreiber der Glenlivet Distillery. Im März wurde die gemeinsame Gesellschaft The Glenlivet and Glen Grant Distilleries Ltd. gegründet, deren Aktien noch im selben Jahr für den Börsenhandel vorgesehen wurden. Das ausgegebene Aktienkapital belief sich auf 500.000 Pfund.

Bereits im ersten veröffentlichten Geschäftsjahr 1952/53 erzielte das Unternehmen einen Nettogewinn von 45.005 Pfund. In den folgenden Jahren entwickelte sich die Gesellschaft trotz steigender Produktionskosten erfolgreich weiter. Während 1955 noch ein leichter Rückgang des Betriebsergebnisses verzeichnet wurde, erreichte der Nettogewinn 1957 mit 69.485 Pfund einen neuen Höchststand. Im Geschäftsjahr 1957/58 stieg er auf 80.053 Pfund und lag damit rund 78 Prozent über dem Ergebnis von 1952/53.

Der wirtschaftliche Erfolg ging mit einer anhaltend hohen Nachfrage nach Whisky aus beiden Brennereien einher. Trotz steigender Produktionsmengen konnten Glen Grant und Glenlivet ab 1957 nicht mehr sämtliche Kundenbestellungen erfüllen. Im Geschäftsjahr 1957/58 wurde die gemeinsame Produktion um mehr als fünf Prozent gesteigert, im folgenden Geschäftsjahr um weitere vier Prozent.

Das Wachstum erforderte zusätzliche Investitionen. Ende Juni 1958 bestanden bereits Investitionsverpflichtungen in Höhe von 16.000 Pfund. Darüber hinaus plante die Gesellschaft weitere Lagerkapazitäten, um die zunehmenden Whiskybestände ihrer Kunden unterzubringen. Die Trockenheit im September 1959 führte allerdings zeitweise zu Einschränkungen der Produktion, wobei die Geschäftsführung hoffte, dass sich die Wasserknappheit nicht auf die gesamte Produktionssaison auswirken würde. Auch die Aktionäre profitierten von der Entwicklung. Die Dividende stieg von zehn Prozent im Jahr 1953 auf 17,5 Prozent im Geschäftsjahr 1957/58. Im September 1959 kündigte die Gesellschaft außerdem die Ausgabe zusätzlicher Gratisaktien im Verhältnis eins zu drei an, wofür 100.000 Pfund aus den Rücklagen in Aktienkapital umgewandelt werden sollten.

Damit endeten die 1950er-Jahre für Glen Grant und Glenlivet als eine Phase steigender Produktion, wachsender Gewinne und anhaltend hoher Nachfrage. Die gemeinsame Gesellschaft hatte sich wirtschaftlich gefestigt und stand zugleich vor der Herausforderung, ihre Produktions- und Lagerkapazitäten an den wachsenden Bedarf anzupassen.

Im Geschäftsjahr 1959/60 setzte sich das wirtschaftliche Wachstum der The Glenlivet and Glen Grant Distilleries Ltd. fort. Der steuerpflichtige Gewinn stieg von 202.000 auf 217.000 Pfund, während die Dividende auf 20 Prozent erhöht wurde. Dennoch reagierte die Börse enttäuscht auf die veröffentlichten Geschäftszahlen. Angesichts der erheblichen Investitionen der vergangenen Jahre und der weiterhin hohen Nachfrage nach Whisky aus beiden Brennereien hatten die Anleger offenbar mit einem stärkeren Gewinnanstieg gerechnet. Die Investitionen der Vorjahre lassen sich zumindest teilweise anhand zeitgenössischer Bauunterlagen nachvollziehen. Für Glen Grant sind bereits ab 1953 mehrere Bauvorhaben dokumentiert, die insbesondere den Ausbau der Lagerkapazitäten betrafen. So finden sich für 1953, 1954 und 1956 entsprechende Baupläne beziehungsweise Bauanträge für neue Lagerhäuser und Zolllager. Auch 1960 wurden weitere Fass- und Zolllager geplant. Die Unterlagen belegen damit eine längerfristige Erweiterung der Lagerinfrastruktur, ohne dass sich daraus bereits die Höhe der tatsächlich getätigten Investitionen oder ihr Anteil an den Gesamtausgaben der Gesellschaft bestimmen lässt. Trotz dieser Entwicklung blieben die veröffentlichten Geschäftsergebnisse hinter den Erwartungen des Kapitalmarktes zurück. Innerhalb von zwei Handelstagen verlor die Aktie rund zwölf Prozent ihres Wertes und fiel bis zum 19. Oktober 1960 auf 31 Shilling und 3 Pence. Bemerkenswert war, dass sich die britischen Aktienmärkte an diesem Tag insgesamt erholten, während die Aktien der Brennereigesellschaft weiter nachgaben.


Die Wiedereröffnung von Glen Grant No. 2 als Caperdonich

Im Mai 1964 kündigte die The Glenlivet and Glen Grant Distilleries Ltd. an, die seit Jahrzehnten stillgelegte Glen Grant No. 2 Distillery in Rothes wieder in Betrieb zu nehmen. Die bestehenden Brennereien waren inzwischen vollständig ausgelastet, sodass das Unternehmen nach Angaben von Direktor Douglas Mackessack bereits Aufträge ablehnen musste. Die neue Produktionsstätte sollte 1965 ihren Betrieb aufnehmen und jährlich rund 300.000 Gallonen Whisky herstellen.
Am 10. Juli 1964 wandte sich Mackessack an die zuständigen Steuerbehörden und erläuterte die Pläne zur Wiederinbetriebnahme. Vorgesehen war zunächst eine Produktion von 7.800 Gallonen Alkohol pro Woche mit einer Wash Still und einer Spirit Still. Zu diesem Zeitpunkt stand auch der neue Name Caperdonich bereits fest. Am 14. September 1964 wurde die Caperdonich Distillery Company Ltd. offiziell registriert.

Für die Wiedereröffnung wurde die ehemalige Glen Grant No. 2 grundlegend modernisiert. Die noch vorhandenen historischen Brennblasen wurden im Herbst 1964 ausgebaut und zur Überholung an den Kupferschmied Grant in Dufftown übergeben. Gleichzeitig erfolgten umfangreiche bauliche Veränderungen und die Einrichtung eines neuen Lagerhauses. Im März 1965 waren die Arbeiten weit genug fortgeschritten, um die ersten technischen Prüfungen durchzuführen. Am 27. März wurde die Wash Still erstmals wieder angeheizt, am folgenden Tag auch die zweite Brennblase in Betrieb genommen. Die Steuerbeamten überprüften dabei insbesondere die Dichtigkeit und Sicherheit der Anlagen. Obwohl noch verschiedene bauliche und technische Anforderungen zu erfüllen waren, erteilten die Behörden am 26. April 1965 eine vorläufige Betriebsgenehmigung.

Am 14. Mai 1965 wurden offiziell die ersten Fässer mit Whisky aus Caperdonich befüllt. Die Brennerei hatte damit nach mehr als sechs Jahrzehnten Stillstand ihre Produktion wieder aufgenommen. Die endgültige behördliche Genehmigung ließ allerdings noch auf sich warten. Erst am 28. Juli 1966 wurde der Betrieb abschließend genehmigt, die Freigabe für das neue Lagerhaus folgte am 25. August. 

Die Wiedereröffnung von Caperdonich war somit keine vollständige Neugründung, sondern die umfassende Modernisierung und Wiederinbetriebnahme der ehemaligen Glen Grant No. 2 Distillery. Bereits 1967 wurde die Produktionskapazität durch zusätzliche Brennblasen und Gärbottiche nahezu verdoppelt. Die aktuell umfangreichste Recherche zur Wiederinbetriebnahme von Glen Grant 2 alias Caperdonich lässt sich hier bei Stefan nachlesen: https://www.whisky-journal.de/caperdonich-die-auferstehung/


Wirtschaftlicher Aufschwung und weitere Expansion 

Mit der Wiederinbetriebnahme der ehemaligen Glen Grant No. 2 Distillery unter dem Namen Caperdonich im Mai 1965 erweiterte die The Glenlivet and Glen Grant Distilleries Ltd. ihre Produktionsmöglichkeiten in Rothes erheblich. Die zusätzliche Brennerei sollte dazu beitragen, die steigende Nachfrage zu bedienen, nachdem die bestehenden Anlagen von Glen Grant und Glenlivet ihre Kapazitätsgrenzen erreicht hatten.

Auch wirtschaftlich entwickelte sich die Gesellschaft zunächst erfolgreich. Im Geschäftsjahr 1964/65 stieg der operative Gewinn der Unternehmensgruppe von 265.084 auf 309.264 Pfund. Gleichzeitig erhöhte das Unternehmen seine Beteiligung an John Milne, The Central Press in Aberdeen, auf 93,75 Prozent. Im folgenden Geschäftsjahr setzte sich das Wachstum fort. Trotz deutlich gestiegener Abschreibungen erhöhte sich der Halbjahresgewinn von 134.000 auf 167.000 Pfund. Die Erweiterung von Caperdonich verlief jedoch nicht ohne Schwierigkeiten. Während Glen Grant und Glenlivet im Geschäftsjahr 1967/68 neue Produktionsrekorde erzielten, blieb die Nachfrage nach frisch destilliertem Whisky aus Caperdonich hinter den inzwischen erweiterten Produktionskapazitäten zurück. Dennoch produzierte die Brennerei bereits mehr, als vor ihrem Ausbau möglich gewesen wäre.

Auch im folgenden Geschäftsjahr blieb die Auslastung schwankend. Wie The Scotsman im November 1969 berichtete, hatte Caperdonich über längere Zeit mit ungefähr halber Kapazität gearbeitet. Gleichzeitig gerieten die Gewinnmargen beim Verkauf frisch destillierten Whiskys zur Fasslagerung unter Druck. Die Unternehmensgruppe konnte dennoch Rekordgewinne erzielen, insbesondere durch den stärker als erwartet gestiegenen Export bereits in Flaschen abgefüllter Glen-Grant- und Glenlivet-Whiskys. Angesichts gut gefüllter Auftragsbücher kündigte die Unternehmensführung weitere Investitionen zur Steigerung der Produktion von Caperdonich an. Im Geschäftsjahr 1969/70 erreichten die drei Brennereien schließlich gemeinsam einen neuen Produktionsrekord. Der Gewinn vor Steuern stieg von 464.314 auf rund 538.000 Pfund.

Im November 1970 sprach die Gesellschaft erstmals ausdrücklich von einem wirtschaftlichen Durchbruch bei Caperdonich. Die höheren Gewinne wurden sowohl auf den gestiegenen Absatz frisch destillierten Whiskys für die Fasslagerung als auch auf höhere Verkaufszahlen bereits abgefüllter Whiskys und die verbesserte Ertragslage der jüngsten Brennerei zurückgeführt. Parallel dazu zeichnete sich eine weitreichende Veränderung der Unternehmensstruktur ab.

Im September 1970 wurde bekannt, dass die geplante Fusion der The Glenlivet and Glen Grant Distilleries Ltd. mit Hill, Thomson & Co. Ltd. und Longmorn-Glenlivet Distilleries Ltd. nicht an die britische Monopolkommission verwiesen werden sollte. Damit war ein wichtiger Schritt für einen möglichen Zusammenschluss der drei Gesellschaften erreicht.

Im Oktober 1970 fusionierte die bisherige Eigentümergesellschaft The Glenlivet and Glen Grant Distilleries Ltd. mit der Longmorn-Glenlivet Distilleries Ltd. und dem in Edinburgh ansässigen Whiskyunternehmen Hill, Thomson & Co. Ltd. Zur erweiterten Unternehmensgruppe gehörten damit fünf Brennereien: Glen Grant, Glenlivet, Caperdonich, Longmorn und Benriach. Hinzu kamen die Blended-Whisky-Marken Queen Anne und Something Special sowie zusätzliche Abfüll- und Vertriebskapazitäten. Im Jahr 1972 erhielt die Gesellschaft den Namen The Glenlivet Distillers Ltd.
Der internationale Erfolg stellte die Gesellschaft vor neue Herausforderungen.

Im November 1971 erklärte Vorstandsvorsitzender Captain Iain Tennant, dass die Nachfrage nach abgefülltem Glen Grant und Glenlivet die verfügbaren Bestände an ausreichend gereiftem Whisky überstieg. Das Unternehmen musste deshalb ältere Whiskybestände, die zuvor an andere Abnehmer verkauft worden waren, zu erheblich höheren Preisen zurückkaufen. Gleichzeitig beschloss die Unternehmensführung, künftig einen größeren Anteil des frisch destillierten Whiskys für eigene Abfüllungen zurückzuhalten, anstatt ihn unmittelbar an andere Whiskyabfüller zu verkaufen.

Bei der Hauptversammlung im Dezember 1971 sprach Tennant von einer regelrechten Explosion der Verkaufszahlen abgefüllter Malt Whiskys. Die gestiegene Nachfrage ließ sich allerdings nicht kurzfristig durch eine höhere Produktion ausgleichen. Der neu destillierte Whisky musste zunächst mehrere Jahre in Fässern reifen und konnte nach damaliger Einschätzung erst nach fünf bis zwölf Jahren an die Verbraucher gelangen. Angesichts der erwarteten Absatzentwicklung plante die Unternehmensgruppe weitere Investitionen in ihre Produktionsanlagen. Auch Glen Grant selbst wurde in dieser Zeit erweitert. Nach Angaben mehrerer Brennereichronologien erhöhte sich die Zahl der Brennblasen 1973 von vier auf sechs. Damit wurde die Produktionskapazität der traditionsreichen Brennerei vergrößert, während gleichzeitig technische Veränderungen an den Anlagen vorgenommen wurden.

Im Mai 1974 zeigte sich allerdings, wie abhängig die Produktion inzwischen von einer zuverlässigen Energieversorgung war. Ein Streik von rund 800 Beschäftigten der BP-Raffinerie in Grangemouth unterbrach die Lieferung von Flüssiggas an mehrere Brennereien. Glenlivet musste die Produktion vollständig einstellen, während Glen Grant, dessen Brennapparate teilweise mit Flüssiggas betrieben wurden, nur noch mit etwa 60 Prozent seiner normalen Leistung arbeiten konnte. Zusammen verloren die beiden Brennereien nach Angaben der Unternehmensführung täglich rund 4.500 Gallonen Whiskyproduktion. Trotz des Ausfalls wurden die Beschäftigten zunächst weiterbeschäftigt.

Neben der Erweiterung der Produktionsanlagen begann sich auch der Umgang mit Besuchern zu verändern. Im Oktober 1976 erhielt Glen Grant von der zuständigen Genehmigungsbehörde die Erlaubnis, einen eingeschränkten Whiskyverkauf auf dem Brennereigelände einzurichten. Die Entscheidung dokumentiert die wachsende Bedeutung des direkten Verkaufs an Besucher, auch wenn sich aus der Zeitungsmeldung allein noch kein genaues Eröffnungsdatum des ableiten lässt.
Ende 1977 wechselte Glen Grant erneut den Eigentümer. Der kanadische Seagram-Konzern übernahm über eine amerikanische Tochtergesellschaft die Glenlivet Distillers Ltd. für rund 47 Millionen Pfund. Mit der Übernahme gelangten die fünf Brennereien der Unternehmensgruppe unter die Kontrolle eines der international bedeutenden Spirituosenkonzerne. Die bisherige Geschäftsführung sollte zunächst weitgehend unverändert bleiben.

Im Februar 1978 berichtete The Scotsman ausführlich über die Modernisierung von Glen Grant. In den vorangegangenen Jahren waren erhebliche Mittel in die Erneuerung der Produktionsanlagen investiert worden. Die Zeitung beschrieb sechs mit Flüssiggas beheizte Brennblasen, deren Betrieb über ein zentrales Bedienpult überwacht und gesteuert werden konnte. Auch die Bedienung des Spirit Safes war modernisiert worden. Bei den technischen Veränderungen wurde darauf geachtet, die charakteristische Form und Größe der Brennapparate beizubehalten.
Weitere Erweiterungen der Brennkapazität werden in der Sekundärliteratur für die zweite Hälfte der 1970er-Jahre genannt, wobei die Angaben zur damaligen Gesamtzahl der Brennblasen voneinander abweichen. Unabhängig davon verdeutlichen die zeitgenössischen Berichte, dass Glen Grant innerhalb weniger Jahre sowohl seine Produktionsmöglichkeiten als auch die technische Ausstattung erheblich weiterentwickelte.

Trotz der Eingliederung in einen internationalen Konzern blieb die Verbindung zur Gründerfamilie bestehen. Major Douglas Mackessack, ein Nachkomme der Familie Grant, war weiterhin mit der Brennerei verbunden und wurde noch im Februar 1978 in einem ausführlichen Zeitungsbericht über ihre Entwicklung zitiert.

Bereits Mitte bis Ende der 1970er Jahre erhielt die Brennerei ein neues Still House mit neuen Brennblasen, welche in Größe und Form den bisherigen Stills nachempfunden waren. In den 1980er Jahren wurde das alte Brennhaus mit seinen alten Stills abgerissen.

Der Historiker John R. Hume hat dieses alte Brennhaus noch in seinen Fotografien festhalten können. Die Bilder sind 1980 entstanden, Copyright: HES (Papers of Professor John R Hume, economic and industrial historian, Glasgow, Scotland). 

Im Vergleich dazu der moderne Neubau, welcher bis heute in Betrieb ist. Insgesamt verfügt Glen Grant über 8 Brennblasen (4 Wash und 4 Spirit Stills)

Copyright: HES (Papers of Professor John R Hume, economic and industrial historian, Glasgow, Scotland).


Pernod Ricard übernimmt die Brennerei 2001, bereits 2002 wird zudem Caperdonich geschlossen.

Im Jahr 2006 erwirbt die Campari-Gruppe dann Glen Grant und investiert in elf traditionelle Lagerhäuser in Rothes sowie ab 2012 in eine eigene Abfüllanlage auf dem Brennereigelände, die kurz darauf noch erweitert wird. 

 
 
 
 
E-Mail
Instagram