Glengyle - Die Geschichte
Glengyle, Campbeltown, Glebe Street, 1872 bis 1923, anschließend 2004 bis heute
Die Brennerei Glengyle wurde im Jahr 1872 in Campbeltown gegründet und im Jahr 1873 fertiggestellt. Gründer war William Mitchell, der zuvor auch Teilhaber bei Springbank war. Ein Streit mit seinem Bruder John Mitchell veranlasste ihn dazu, Springbank zu verlassen und Glengyle zu errichten. Die Brennerei entstand auf dem Grundstück zwischen der Roading und der Glebe Street. Die direkten Nachbarn waren südlich (an der Glebe Street) Glen Nevis, auf dem Gelände (quasi Mauer an Mauer) Rieclachan und nördlich der Roading Argyll sowie Hazelburn. Gleich im ersten Jahr der Produktion gab es einen Rückschlag, ein Sturm beschädigte Glengyle im November 1873 und zerstörte das Dach des Gebäudes mit der Mash Tun.
Alfred Barnard besuchte Glengyle 1885 im Rahmen seiner Whiskyreise. Er bedauert in seinem Bericht, dass Herr Mitchell ihn nicht persönliche empfangen konnte und daher die Informationen zur Brennerei leider etwas spärlicher ausfallen. Barnard zählt die Ausstattung auf, darunter zwei Malzböden, ein Kiln sowie eine Mühle, getrocknet wurde das Malz nur mit Torf. Außerdem gab es eine Mash Tun, eine 10-PS Dampfmaschine sowie eine Wash Still mit 3.100 Gallonen und eine Spirit Still mit 1.860 Gallonen. Drei Lagerhäuser fassten zum damaligen Zeitpunkt 2.000 Fässer und Glengyle hatte 14 Beschäftigte. Die Jahresproduktion lag bei 90.000 Gallonen Whisky. Und leider wurde keine Zeichnung angefertigt.
Zwanzig Jahre später, also 1905, findet sich ein weiterer Bericht über die Brennerei. Demnach hatte sie nun größere Brennblasen mit 4.000 (Wash Still) und 2.000 Gallonen (Spirit Still) sowie sechs Washbacks zu je 6.600 Gallonen.
1919 wurde die Brennerei dann aus wirtschaftlichen Gründen an West Highland Malt Distilleries Co. verkauft. Im Laufe des Jahres 1923 wurde der Betrieb eingestellt. Am 12. Januar 1924 erscheint eine Anzeige im Campbeltown Courier, neben Glen Nevis und Ardlussa steht auch die Glengyle Distillery wieder zum Verkauf. Die Brennerei wechselt anschließend für nur 350 Pfund den Eigentümer.
Später entwickelten die Gebrüder Bloch dann Pläne für die Wiedereröffnung, diese scheiterten jedoch am zweiten Weltkrieg, das zuständige Ministerium untersagte kriegsbedingt den Betrieb der schottischen Brennereien.
Im Jahr 1957 erscheint in mehreren Tageszeitungen die Information darüber, dass es wohl ein Genehmigungsverfahren zur Wiederinbetriebnahme der Glengyle Distillery gibt, als Investitionsvolumen werden 250.000 Pfund genannt. Den kurzen Meldungen nach soll Glengyle zu einer der modernsten Brennereien des Landes ausgebaut werden. Bereits 1958 wird das Projekt aufgegeben, es scheiterte an den nötigen finanziellen Mitteln. Die Brennerei ging anschließend in den Besitz von Kintyre Farmers Ltd. über.
1971 hat John R. Hume zwei Aufnahmen des Geländes dokumentiert.
© Copyright: HES (Papers of Professor John R Hume, economic and industrial historian, Glasgow, Scotland)
In den folgenden Jahrzehnten verfiel die Brennerei zunehmend, zumindest bis ins Jahr 2000. Glengyle kam zurück in den Besitz der Familie Mitchell, die Brennerei wurde in den noch vorhandenen Gebäuden grundlegend neu ausgestattet. Am 25. März 2004 wurde dann erstmals seit mehr als 80 Jahren wieder New Make produziert. Der Whisky ist heute unter dem Namen Kilkerran bekannt.


