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Glenburn / Glenburnie 

Glenburnie / Glenburn, 1816 – 1857

Glenburnie entstand am Rubislaw Burn westlich von Aberdeen. Als Gründer gilt James Dunbar, der die Brennerei im Jahr 1816 errichtet haben soll. Sekundärquellen nennen zwar 1816 als Gründungsjahr, einen unmittelbaren Gründungsbeleg konnte ich bislang jedoch nicht finden.

Eine Verkaufsanzeige aus dem Jahr 1855 erklärt allerdings, das Unternehmen werde seit „beinahe vierzig Jahren“ erfolgreich betrieben. Vom Erscheinungsjahr zurückgerechnet führt diese Angabe unmittelbar in die Jahre 1815/16 und stützt das überlieferte Gründungsjahr erheblich.
Spätestens 1817 muss auf jeden Fall bereits Whisky gebrannt worden sein: 1820 findet sich eine Werbung für einen „vollen drei Jahre im Holz“ gelagerten Malt Whisky aus der Upper Rubislaw Distillery. Verkauft wurde der Whisky im Geschäft von John Menzies, Spirituosenhändler am Guestrow. Die Anzeige betonte ausdrücklich, dass der Whisky ausschließlich aus Malz hergestellt worden sei und sämtliche Abgaben ordnungsgemäß entrichtet worden waren. Ausführlich warnte sie zudem vor den hohen Strafen für den Kauf geschmuggelter Spirituosen.


In den Quellen begegnet die Brennerei unter mehreren Namen: zunächst als Upper Rubislaw Distillery, später als Glenburn Distillery und zunehmend auch als Glenburnie Distillery. In Sekundärquellen erscheinen außerdem die Bezeichnungen Rubislaw und Spademill.
Schwierig nachzuvollziehen ist die genaue Reihenfolge der Unternehmer. 

James Dunbar soll die Brennerei bereits 1817 an Robertson, Brown & Company übergeben haben. Daraus soll um 1819 Brown & Company hervorgegangen sein, die Glenburn anschließend gut zwei Jahrzehnte betrieb, bevor Farquhar & Company übernahm. So lautet zumindest die bisherige Darstellung in den Sekundärquellen. Die zeitgenössischen Quellen lassen eher einen schrittweisen Übergang als einen einzelnen, klar datierbaren Eigentümerwechsel erkennen.

Am 23. Oktober 1822 erschien erneut Werbung im Aberdeen Press & Journal. Diesmal trat eine Glenburn Distillery Company auf. Sie erklärte, dass am Werk kürzlich Veränderungen vorgenommen und das Destillationssystem vollständig umgestellt worden sei. Anschließend bewarb sie ihren Malt Whisky. Hier ein Ausschnitt in wortgetreuer Übersetzung: 

"Die Glenburn Distillery Company erlaubt sich, ihren Freunden und der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass sie infolge der kürzlich an ihrem Werk vorgenommenen Veränderungen sowie einer vollständigen Änderung des Systems ihrer Destillationsweise nun mit Zuversicht Whisky von einer Qualität anbieten kann, die jedem im Norden Schottlands hergestellten gleichkommt, wenn sie ihn nicht sogar übertrifft. Und wenn ihre Freunde ihnen die Gerechtigkeit widerfahren ließen, ihm vor dem Gebrauch ein wenig Alterzu gestatten, so schmeicheln sie sich mit der Annahme, dass er mit jedem geschmuggelten Whisky, der gewöhnlich zum Verkauf angeboten wird, konkurrieren könne."

Die Bitte, dem Whisky vor dem Genuss „ein wenig Alter“ zu geben, ist bemerkenswert. Kleinere Mengen waren bei Farquharson & Co. in der St Nicholas Street sowie bei Leslie Clark in der Broad Street erhältlich. Beide erscheinen in der Anzeige zunächst lediglich als Einzelhändler. Eine Verbindung zwischen Farquharson & Co. und dem späteren Betreiber William Farquhar ist bislang nicht nachgewiesen.

1827 war weiterhin die Zeit von Brown & Co., zumindest wenn man den Adressbüchern der damaligen Zeit vertrauen kann. Dort steht: Brown and Co., distiller, Glenburn.

Die Einträge der folgenden Jahre helfen dabei, die Entwicklung etwas genauer nachzuvollziehen. Zunächst erscheint John Burness als Distiller beziehungsweise Manager der Glenburn Distillery. Brown & Co. blieb bis mindestens 1839/40 mit der Brennerei verbunden. Auch mehrere gerichtliche Verfahren aus den Jahren 1834 bis 1840 nennen Brown & Co. ausdrücklich als Distiller in Glenburn und bestätigen damit, dass es sich nicht nur um wiederholt übernommene Adressbucheinträge handelte.

Ab 1837/38 wird William Farquhar als Manager genannt. Gleichzeitig erscheint Matthew Hart als Distiller mit Wohnsitz an der Glenburn Distillery. 1839/40 wird außerdem James Cochran als Brewer beziehungsweise in Verbindung mit Glenburn aufgeführt.

Spätestens 1848/49 firmierte das Unternehmen als Farquhar & Co., während das Adressbuch von 1853/54 wiederum Brown, Farquhar & Co. als Betreiber nennt. William Farquhar erscheint dort als geschäftsführender Teilhaber. Der Übergang von Brown zu Farquhar scheint demnach kein einfacher, einmaliger Eigentümerwechsel gewesen zu sein, sondern ein schrittweiser Wandel innerhalb der Betreibergesellschaft.

Am 14. November 1855 stand die Brennerei zum Verkauf. Auch hier die Übersetzung:

"Zum Verkauf steht der Pachtvertrag der Glenburn Distillery in Rubislaw, etwa eine Meile von Aberdeen entfernt, einschließlich der Gebäude, Gerätschaften usw. sowie des Geschäftswerts beziehungsweise Kundenstamms des Unternehmens.
Das Werk ist in der Lage, wöchentlich 700 bis 800 Gallonen Spirituosen herzustellen. Die Gebäude und Gerätschaften befinden sich in gutem Zustand und sind in jeder Hinsicht für den Betrieb geeignet. Auf dem Gelände steht zu allen Jahreszeiten eine reichliche Wasserversorgung zur Verfügung, außerdem Wasserkraft zum Mahlen des Malzes und für weitere Zwecke. Die Lage ist für den Einkauf und die Anlieferung von Getreide sehr günstig. Das Geschäft wird seit beinahe vierzig Jahren erfolgreich betrieben und soll fortgeführt werden, bis ein Verkauf zustande gekommen ist. Anfragen sind zu richten an die Herren Adam & Anderson, Rechtsanwälte in Aberdeen und Vertreter des Grundeigentümers; an Herrn Farquhar, geschäftsführenden Teilhaber im Werk; oder an die Herren Chalmers & Farquhar beziehungsweise John Clark, Rechtsanwälte in Aberdeen".

Daraus können wir nicht nur die Produktionskapazität ableiten. Wir erfahren von einer noch aktiven Brennerei, die bis zu einem erfolgreichen Verkauf weiterbetrieben werden sollte. Gleichzeitig zeigt die Anzeige, dass nicht das Grundstück selbst, sondern der Pachtvertrag einschließlich der Gebäude, Gerätschaften und des Geschäftswerts verkauft wurde. Grundeigentümer und Betreiber waren somit unterschiedliche Parteien. Farquhar wird ausdrücklich als Managing Partner, also als geschäftsführender Teilhaber, bezeichnet.

Im Mai 1857 suchte man noch immer einen Pächter. Mittlerweile war die Brennerei jedoch stillgelegt worden. Die Anzeige beschreibt zwei solide Mälzereischeunen, die ausreichend waren, um 25 Quarters Getreide einzuweichen. Die Wasserversorgung sei reichlich gewesen und habe zugleich die Kraft für die Maschinen geliefert. Die gewöhnlich produzierte Menge wird erneut mit 700 bis 800 Gallonen Spirituosen pro Woche angegeben. Anschließend heißt es klar und deutlich: "The utensils are removed".

Die Brennereigerätschaften waren also bereits entfernt worden. Damit war Glenburn im Mai 1857 keine unmittelbar betriebsbereite Brennerei mehr. Zwar hoffte man offenbar noch auf einen Pächter, der die Destillation wieder aufnehmen würde, gleichzeitig wurde aber bereits darauf hingewiesen, dass sich die Gebäude leicht für andere gewerbliche Zwecke nutzen ließen.

Die Whiskyproduktion wurde somit wahrscheinlich im Laufe des Jahres 1856 oder in den ersten Monaten des Jahres 1857 eingestellt. Ein historischer Rückblick im Aberdeen Press & Journal vom 22. April 1909 nennt ausdrücklich 1857 als letztes Betriebsjahr und bezeichnet Farquhar als letzten Betreiber. In Verbindung mit der zeitgenössischen Verpachtungsanzeige kann das Schließungsjahr 1857 daher als sehr wahrscheinlich gelten.

Ab 1861 nutzte der Fotograf George Washington Wilson Teile der ehemaligen Glenburnie Distillery zur Herstellung und Bearbeitung seiner Fotografien. Ein Ordnance-Survey-Namensbuch von 1867 bezeichnet eines der Gebäude ausdrücklich als Wilsons „photographer’s loft“. Im Jahr 1875 musste er das Gelände wegen der bevorstehenden Neubebauung verlassen.
Und was machen Fotografen? Sie fotografieren!

Hier sehen wir die Glenburnie Distillery, datiert auf ca. 1875.

Licensed by Aberdeen Central Library (Records of the Scottish Cultural Resources Access Network (SCRAN), Edinburgh, Scotland).

Die Brennerei auf alten Karten zu lokalisieren ist nicht ganz so leicht, da der Ort damals weit vor der Stadt lag und viele Karten der Stadt Aberdeen gar nicht so weit gingen. Daher leider erst nach Stilllegung und Verkauf eine Karte von 1865.

 
 
 
 
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