Dailuaine
Hier folgt gleich eine längere Recherche zu Dailuaine. Zu den Tastingnotes kommt zu direkt hier: Aktuelle Beiträge
Dailuaine
Die ersten Jahrzehnte
Dailuaine wurde wohl im Jahr 1851 von William Mackenzie gegründet, das können wir als ziemlich gesichert festhalten. Ziemlich, weil der Clan Mackenzie das Jahr 1852 angibt.
Aber zum Namen....ich weiß ja nicht wie es euch geht, ich muss den Namen Dailuaine immer zweimal lesen und prüfen, ob ich ihn richtig geschrieben habe. Wäre da doch nur ein einfacherer Name… vielleicht irgendwas nach der nächsten Ortschaft, Carron vielleicht?
Die „Carron Distillery“ von William Mackenzie, so wird sie in den ersten Jahrzehnten tatsächlich überwiegend genannt, auch wenn William Mackenzie 1857 einen Maltman für "Dail-Uaine" sucht.
Das Banffshire Journal berichtet am 24. August 1858 von einem Dinner im Anschluss der Schau des „Fiddichside Farmer Club“ auf der Home Farm (Ballindalloch). Am Dinner nahmen ca. 70 Herren aus der Landwirtschaft und von Brennereien teil. Vertreten war unter anderem Robert Hay, der Gründer von Glenfarclas, bevor er die Brennerei ein paar Jahre später an John Grant veräußerte. Aber für uns ist folgende Angabe wichtig: M`Kenzie, Carron Distillery.
Und es war kein Versehen in der Berichtserstattung. Am 25. August 1860 trafen sich die Eigentümer bzw. Vertreter der Brennereien im „Elgin Collection“ (in etwa Steuerbezirk) in Rothes. Dort trifft William Mackenzie, Carron Distillery, unter anderem auf John Grant (Glen Grant), John G. Smith (Glenlivet) und James Davidson (Macallan). Brachte eigentlich jeder seinen eigenen Whisky mit?
Der Elgin Courier meldet im Mai 1862, dass die Ehefrau von William O'Shaughnessy am 12. Mai in Benrinnes eine Tochter zur Welt brachte. Ihr Ehemann: William O'Shaughnessy, Inland Revenue, Carron Distillery. Also Steuerbeamter in der Brennerei Carron.
Ich glaube mehr brauchen wir an dieser Stelle erst einmal nicht, auch wenn ich auf den Namen weiterhin eingehen werden. Feststellen können wir aber jetzt schon: Dailuaine wurde vielleicht nicht als Dailuaine gegründet, zumindest setzte sich anfangs der Name Carron durch.
Eine einzige Meldung 1864 berichtet von der Verabschiedung eines Angestellten der Dailuaine Distillery, Freunde und Kollegen feierten mit ihm seinen Wechsel zu Benrinnes. In der Meldung ist die Brennerei aber nur eine Randnotiz, es geht um die feucht/fröhliche Festivität.
William Mackenzie stirbt 1865, sein Sohn Thomas übernimmt. Den meisten modernen Quellen ist zu entnehmen, dass die Witwe Jane Mackenzie die Brennerei direkt an James Fleming verpachtete und dieser 1879 mit dem Sohn des William Mackenzie eine gemeinsame Firma gründete. Allerdings übernahm der Sohn bereits früher.
Am 23. Januar 1866 ein Artikel im Banffshire Journal mit einer ganz kurzen Beschreibung der Brennerei. Die Überschrift lautet „Carron or Deluane“, kurz wird die Lage beschrieben und es heißt, die Brennerei sei vor 15 Jahren durch den früheren William Mackenzie gegründet worden und wird nun von seinem Sohn geführt. Sie erzeugt so viel Whisky wie Benrinnes, etwas 15.000 bis 20.000 Gallonen (im Jahr).
Anschließend ist rekonstruierbar, dass James Fleming (jun.) die Carron Distillery im ersten Halbjahr 1869 übernahm, er wird als Getreidehändler aus Aberlour beschrieben. Der Artikel nennt zwar kein genaues Datum, spricht aber davon, dass James Fleming die Brennerei erst kürzlich übernahm. Das es sich quasi um eine Verlautbarung und Information an die Allgemeinheit handelte, wird sie entsprechend aktuell gewesen sein.
Aber zurück zum Namen. „Deluan“ taucht zum ersten Mal 1864 und dann noch einmal 1866 mit dem Sohn von William Mackenzie auf, aber auch in den Folgejahren wird überwiegend noch von Carron gesprochen, obwohl wir bereits eine auf 1868 datierte Karten mit dem heutigen Namen haben: Dailuaine. Übrigens stammt der Name aus der gälischen Sprache: „An dail uaine“ heißt quasi „Die grüne Wiese“ oder auch gerne „Grünes Tal“.
Am 6. Januar 1871 kommt es zur Tragödie. In der Carron Distillery, Morayshire, Knockando, werden drei Tote Männer erstickt aufgefunden. Sie hatten ein Kohlenbecken mit in den Schlafraum genommen, in welchem es keinen Schornstein oder Abzug gab. Alle drei Opfer waren Beschäftigte von James Fleming und damit Mitarbeiter der Brennerei.
Bis in das Jahr 1898 dominiert der Name Carron, auch wenn der Begriff Dailuaine immer mal wieder fällt. Allerdings lichtet sich dank einer Feierlichkeit 1875 so langsam der Nebel bei mir. Denn neben einem großen Union Jack, der bei Mr. James Fleming über der Carron Distillery wehte, wurde auch die „reichlich leibliche Erfrischung“ der Feier erwähnt, und zwar in Gestalt eines Fasses „real Dailuaine“, das in unmittelbarer Nachbarschaft von Mr. Fleming hergestellt worden war.
Hier haben wir also in einem kurzen Text: Inhaber, Brennerei und Produkt. Der Dailuaine Whisky kam aus der Carron Distillery. Damit erklären sich die wenigen frühen Meldungen, in denen die Brennerei einfach nur eine Randnotiz war, denn man trank ja Dailuaine. Und wenn die Qualität überzeugte, blieb der Name hängen. Vielleicht ging es dem Kartographen ja ähnlich?
Im Jahr 1879 soll sich dann die Mackenzie & Company gegründet haben, der Zusammenschluss von Thomas Mackenzie, Sohn des Gründers, und James Fleming, bis dahin Pächter. Durchaus vorstellbar ist, dass Mackenzie auch in der Zwischenzeit in der eigenen (Land und Brennerei waren ja nur verpachtet) oder in einer anderen anderen Brennerei tätig gewesen ist. Das Jahr 1879 ist zudem insofern spannend, da Fleming die Brennerei Aberlour 1879 gründete. Sucht man nun in der Geschichte Aberlours, so findet sich ein Hinweis darauf, dass er Mitte der 1860er Jahre Dailuaine pachtete und zehn Jahre betrieb. Gut vorstellbar ist, dass der Pachtvertrag mit Mackenzie regulär auslief und man den Weg nun gemeinsam weitergehen wollte.
Dail-Uaine, beschrieben von Alfred Barnard
Dailuaine wurde 1885 von Alfred Barnard sehr ausführlich beschrieben, was für uns heute eine wunderbare Quelle darstellt. Denn die Brennerei wurde kurz zuvor stark ausgebaut und modernisiert.
Der Bericht beginnt mit einer der sehr ausführlichen Schilderung der Landschaft, das Tal wird mit dem Garten Edens und als Feenpalast verglichen. Auch ein Bezug des Tals als Stätte der Rast und Ruhe nach einer Schlacht zwischen Schotten und Dänen zieht Barnard heran, die Natur und die Lage der Brennerei hat ihn definitiv beeindruckt.
Er beschreibt die Wohnhäuser und die danebenliegenden, neu errichteten, Lagerhäuser, welche durch das Wasser des Carron Burn vom Hauptbetrieb getrennt sind. Der Carron Burn wird durch drei Bäche gespeist, die Brennerei liegt am oberen Ende des Tals, einer bewaldeten Schlucht.
Mr. Mackenzie begrüßt die Gesellschaft persönlich, leider ist er jedoch gerade im Begriff nach London abzureisen. Daher übernimmt sein Manager Mr. John Lorimer die Führung durch die Brennerei.
Der Betrieb liegt drei Meilen von Aberlour entfernt und umfasst fünf Acres, dazu gehört aber auch noch eine Farm mit weiteren 100 Acres. Der Betrieb wurde früh in diesem Jahrhundert gegründet und gehört seither der Familie des heutigen Inhabers. Hier eine Anmerkung von mir: Es ist durchaus vorstellbar, dass die Familie bereits vor 1851 auch illegal gebrannt hat - oder sich die zeitliche Angabe nur auf die Farm bezog.
Innerhalb der letzten wenigen Jahre sei nahezu die gesamte Brennerei in größerem und modernerem Stil neu errichtet worden. Die Hauptgebäude bestehen aus Granit und bilden ein Viereck, sie werden von drei äußeren Gebäudeteilen ergänzt. Barnard beschreibt die neue Mälzerei mit dem darüberliegendem Getreidespeicher, dahinter liegt noch eine alte Mälzerei sowie ein sich noch im Bau befindlicher Speicher. Die Gerste wird durch Aufzüge zum Kiln gehoben und anschließend auf den Darrböden verteilt. Getrocknet wird das Malz mittels zweier Feuerstellen ausschließlich mit Torf. Im Torfschuppen lagern zu diesem Zeitpunkt 2.000 Yards Torf, der nach zwei Jahren Lagerung unmittelbar verwendet werden kann. Das Malz wird nach dem Trocknen mittels Förderband in die Malzscheune transportiert. Auch soll eine eine Vorrichtung geben, welche das Malz automatisch wiegt, eine andere Gerätschaft reinigt das Malz kurz vor der Mühle von Fremdstoffen. Nach dem Mahlen wird das Malz in einem "Steels Mashing Mashine" mit heißem Wasser vermischt und gelangt von da aus in die darunter liegende Mash Tun, welche einen Durchmesser von 17 Fuß sowie eine Tiefe von 6 Fuß hat. Die Tanks für diesen Vorgang fassen 8.000 Gallonen Heißwasser. Besondere Erwähnung findet noch die Sauberkeit, jedes Teil wird täglich zwei Mal mit Wasser abgespritzt und gereinigt, wofür dieser Gebäudeteil extra mit einer eisernen Wasserleitung sowie zwei Wasserschläuchen ausgestattet wurde.
Im Tun Room stehen dann acht Washbacks zu je 5.000 Gallonen zur Verfügung. Am nördlichen Ende des Gebäudes sind dann die drei "alten" Stills verbaut, die noch mit offenen Feuerstellen beheizt werden. Die Wash Still fasst dabei 1.500 Gallonen und die beiden Spirit Stills je 700 Gallonen. Mackenzie soll kleinere Brennblasen bevorzugen, angeführt wird das Motto der Schmuggler: „Je kleiner die Brennblase, desto feiner das Erzeugnis".
Nach weiteren technischen Details geht es zum Spirit Store (Befüllung der Fässer) und den insgesamt sieben Lagerhäusern, eines davon ist drei Stockwerke hoch, zusammen haben sie Kapazität für 6.000 Fässer.
In der eigenen Küferei werden durchgehend drei Männer beschäftigt, dahinter sind die Werkstätten des Zimmermanns, des Malers sowie die Schmiede. Auch erwähnt Barnard die gute Ausstattung von Schläuchen zur Brandbekämpfung. Technisch wird zudem noch die Telefonverbindung zum Bahnhof in Carron erwähnt, zudem bemühe man sich aktuell um einen eigenen Gleisanschluss der Brennerei an die Great North of Scotland Railway.
Dann erfahren wir, dass die Brennerei jährlich 160.000 Gallonen Highland Malt herstellt, welcher überwiegend in England und im Ausland verkauft wird.
Zum Abschluss folgte die Gesellschaft noch der Empfehlung und steigt auf eine Anhöhe, von der aus man sieben Brennereien sehen kann: Glenlivet, Glenfarclas, Cragganmore, Cardow, Benrinnes, Aberlour und Macallan.
Und dann habe ich noch zwei leicht restaurierte Zeichnungen für euch.
Wie wir 1885 aus dem Bericht von Barnard erfahren haben, war ein erster Teil der Modernisierung und des Ausbaus bereits abgeschossen bzw. manche Arbeiten noch voll im Gange. Aber auch in den Folgejahren gab es noch zahlreiche Änderungen und Erweiterungen.
1887 stirbt der Arbeiter William Smith, nachdem er bei Dacharbeiten abstürzte. Ein Kollege von ihm wurde schwer verletzt. Hierbei kann es sich schon um die notwendigen Arbeiten zum Umbau der Mälzereien gehandelt haben, die von Charles Cree Doig geplant und beaufsichtigt wurden. Im Rahmen dieser Umbauten erhielt die Brennerei ihre so genannten Pagodendächer.
Am 18. November 1889 findet sich ein Bericht in den Edinburgh Evening News, in diesem wird Dailuaine als Musterbrennerei bezeichnet, die fast vollständig mechanisiert arbeitet. Die Handarbeit sei auf ein Minimum reduziert. Ab der Anlieferung der Gerste im Getreidesack bis zum Malz im Maischbottich ist mittlerweile überhaupt keine Handarbeit mehr nötig.
Nur fünf Tage später schreibt der Northern Scot and Moray & Nairn Express über die neuen Mälzereien und erwähnt auch Charles Cree Doig. Es gibt zwei Malzdarren, die jeweils im 25 bzw. 30 Fuß im Quadrat. Die Darrböden (kiln-floors) bestehen aus perforierten, glasierten Fliesen, die auf schweren Eisenbalken ruhen. Im zweiten Stock ist der Einbau einer größeren Darre geplant, die Vorkehrungen sind bereits getroffen. Äußerlich besitzen die Gebäude ein massives Erscheinungsbild. Sie sind aus Granit errichtet und mit Schiefer gedeckt. Die Getreidespeicher im Zentrum werden von großen, längs verlaufenden Doppelwalmdächern bedeckt. Das steile Dach an einem Ende eines jeden Raumes mit Giebel und die Malzspeicher am anderen Ende besitzen ähnliche Walmdächer, jedoch auf größerer Höhe. Ein besonderes Merkmal der Darren sind die Schornsteine, die auf einer Reihe von pyramidenförmigen Dächern sitzen. Sie besitzen eine längliche beziehungsweise quadratische Form und sind mit großen vorspringenden Dächern bedeckt, die einen einfachen Grundriss besitzen und tiefe Giebeldächer aufweisen, welche auf leicht geneigten Stützen oder Streben ruhen.
Oft wird davon geschrieben, dass die Mälzereien ihre Dächer im Jahr 1889 erhielt, zumindest die Fertigstellung ist mit den Zeitungsberichten erwiesen. Der Unfall 1887 legt aber nahe, dass die Arbeiten mehr als ein Jahr lang andauerten.
Die fertiggestellte Brennerei um 1890 ist gut durch Fotografien dokumentiert, sie liegen heute im Diageo Archive. Zwar habe ich sie oben bereits veröffentlicht, eine Aufnahme wiederhole ich hier jedoch - einfach weil es passt. Nach dem Auftrag bei Dailuaine spezialisierte sich Charles Cree Doig übrigens auf den Bau- bzw. Umbau von Brennereien.
Im Jahr 1890 (nicht 1891, wie viele Quellen behaupten….) gründet sich die Dailuaine Glenlivet Distillery Company. So die Veröffentlichung am 14. Oktober 1890 in den Financial News. Demnach verfügt die neue Gesellschaft über ein Kapital von £50.000 - 100 Vorzugsaktien zu je £100 und 40.000 Stammaktien zu je £1. Zweck der Gesellschaft ist es, "das unter dem Namen beziehungsweise der Firma Mackenzie & Co. in der Dailuaine-Glenlivet Distillery betriebene Geschäft von Brennern, Mälzern und Kaufleuten als fortgeführtes Unternehmen (going concern) zu erwerben und zu übernehmen, einschließlich sämtlicher oder einzelner Vermögenswerte und Verbindlichkeiten der Eigentümer des damit verbundenen Geschäfts; im Vereinigten Königreich oder anderswo das Geschäft von Brennern, Mälzern und Kaufleuten zu betreiben; jedes andere Geschäft oder Gewerbe zu erwerben, zu gründen und zu betreiben, das zweckmäßigerweise in Verbindung mit diesem Geschäft betrieben werden kann; Wohnhäuser, Brennereien, Mälzereien, Lagerhäuser und andere Betriebsanlagen und Gebäude, Kais, Maschinenanlagen, Rechte, Eisenbahnen und Straßenbahnen zu errichten beziehungsweise anzumieten; Grundbesitz, Patente oder Privilegien zu erwerben und anderen Lizenzen zu deren Nutzung zu erteilen; sowie Warenzeichen eintragen zu lassen."
und weiter: "Die Zahl der Direktoren soll mindestens zwei und höchstens sieben betragen. Voraussetzung für die Tätigkeit als Direktor ist der Besitz von £500 des Aktienkapitals im eigenen Recht. Die ersten Direktoren sind Thomas Mackenzie und James Hutcheson."
Aus der offiziellen Eintragung wissen wir nun auch, dass Thomas Mackenzie die Geschicke seiner Brennerei auch in der neuen Gesellschaft lenkt.
Im Juni 1894 erhält die Brennerei dann die Erlaubnis, eine Eisenbahnverbindung vom Bahnhof in Carron zur Brennerei zu bauen.
Im Dezember 1894 suchte die Brennerei einen qualifizierten „Stillman“ und bot 25 Shilling die Woche, ein Wohnhaus in günstiger Nähe der Brennerei kann zu einer moderaten Miete bezogen werden. Vielleicht noch zum Einkommen: Das waren dann £5,14 den Monat oder £65 im Jahr, vorausgesetzt es gab auch während der Silent Season genügend Arbeit. Im Gegenzug ist mit 12-Stunden-Schichten an, in der Regel, sechs Tagen die Woche zu rechnen. Wenn wir das jetzt noch einmal ins Verhältnis zum Stammkapital der Gesellschaft setzen, wird der krasse Unterschied zwischen Kapital und Arbeit im damaligen Schottland noch einmal besonders deutlich.
1885 stirbt dann der James Fleming.
Dailuaine und die Fusion mit Talisker
Die Bezeichnung als Carron Distillery verschwand dann gegen 1898 endgültig, nachdem die zuvor gegründete Dailuaine-Glenlivet Distillery Ltd. mit der Talisker Distillery verschmolzen wurde.
Aber vorher wurde noch weiter Geld eingesammelt. 1896 wurden weitere Aktien im Wert von £95.000 ausgegeben, der Andrang und das Vertrauen muss riesig gewesen sein. Die Aktie wurde um mehr als das 10-fache überzeichnet. Die Whiskybranche war immerhin auf ihrem Höhepunkt.
1898 wird dann die neue Gesellschaft gegründet, so eine Meldung vom 9. Juli 1898. Die trägt den Namen „Dailuaine-Talisker Distilleries Limited“. Aus dem Finanzbericht ist zu lesen, dass die Gesellschaft mit einem Kapital von ganzen £580.000 ausgestattet wurde mit dem Ziel, Dailuaine und Talikser zu erwerben. Sämtliche Vermögensverwerte sollen auf die neue Gesellschaft übertragen werden, diese werden auf £422.136 geschätzt. Der Kaufpreis beträgt £580.000, wovon £363.300 in bar und der Rest in Vorzugs- und Stammaktien gezahlt werden soll.
Und da 1898 die Whiskybranche mit Vollgeschwindigkeit gegen die Wand fuhr, ist folgender Hinweis noch bemerkenswert. Wir sind übrigens noch ein halbes Jahr vor dem großen Pattison-Crash: „Die Gesellschaft ist überkapitalisiert, und die Tatsache, dass mehr als ein Viertel der Vermögenswerte aus Whiskybeständen besteht, ist ein sehr unbefriedigender Umstand. Die Produktion von Scotch Whisky ist während der vergangenen ein oder zwei Jahre übertrieben stark ausgeweitet worden, und die jüngsten Zusammenbrüche in der Branche sollten Anlegern als Warnung dienen.“
Neben Dailuaine und Talisker wurden auch die erst ein Jahr zuvor erbaute Imperial Distillery in Carron sowie die Grain-Brennerei North of Scotland Teil der Gesellschaft. Übrigens gab es zwischen Dailuaine und Talisker bereits zuvor eine wirtschaftliche Verbindung, denn es gibt Berichte über Schiffsladungen. So wurden ein Jahr zuvor bei einem einzelnem Transport von der Isle of Skye ganze 600 Fässer Talisker in den Lagerhäusern von Dailuaine untergebracht.
Im Dezember 1898 wird wieder um den vor vier Jahren genehmigten Bahnanschluss diskutiert, denn die Verbindung sollte über ein fremdes Grundstück geführt werden. Jedoch konnten sich Brennerei und Grundeigentümer in langen Verhandlungen nicht einigen, weshalb nun ein alternativer Streckenverlauf genehmigt wurde. Während man sich also um noch schnellere Transportwege bemühte, zogen durch den Pattison-Crash dunkle Wolken über die gesamte Branche.
Doch eine Notiz im Aberdeen Press and Journal aus dem Oktober 1899 zeigt noch Zuversicht, die Krise hätte das Unternehmen nur indirekt getroffen, die Forderungsausfälle beliefen sich bisher nur auf rund £100. Zudem konnten 6.000 Gallonen gereifter Whisky mehr (im Vergleich zum Vorjahresquartal) abgesetzt werden. Man sei nicht in die Geschäfte Pattisons oder Brickmanns verstrickt.
Und so durchschreiten wir dann erst einmal die Jahrhundertwende.
Dailuaine - Die Jahre in und nach der Whiskykrise
1900 bis 1905
Die Krise muss dann dennoch erst einmal schwer zugeschlagen haben, denn obwohl mittlerweile die Genehmigung vorlag, nahm das Unternehmen Abstand von Bau des Bahnanschlusses. Erst 1905 beantragte es die Erneuerung der Genehmigung mit dem Ziel nun die Arbeiten einzuleiten.
Davor hatte man ein anderes Problem.
Bereits im Frühjahr 1900 meldete J.R. Findlay eine Klage gegen das Unternehmen an, da es unrechtmäßig Landschaft und den Fluss Spey verschmutze, indem es Brennereiabfälle ungefiltert ins Wasser sowie auf Findlays Grundstück versickern ließ. Im Verfahren rund um die Verschmutzung des zwischen dem Fluss Spey und der Brennerei liegendem Grundstücks fiel das Urteil in erster Instanz noch zugunsten der Brennerei aus, 1903 verlor es dann die Verhandlung vor dem Berufungsgericht. Findlay hatte der Brennerei zwar Gelände für ein Filter- und Absatzbecken verpachtet, das Risiko des Betriebs lag jedoch weiterhin bei der Brennerei. Das Gericht sah es dann als erwiesen an, dass Flüssigkeiten aus den Becken ins angrenzende Weideland sickern und dieses schädigten. Zudem seien Schlamm und Rückstände eine Belästigung und der Pächter hätte einer solchen Verwendung des Pachtgrundstückes niemals ausdrücklich zugestimmt. Statt durch sein angrenzendes Weideland zu sickern sollte eigentliche eine Rohrleitung vom Absatzbecken zum Spey führen. Dem Kläger wurden mit dem Urteil £150 Schadensersatz sowie die Erstattung der Prozesskosten zugebilligt. Das zweite Verfahren rund um die direkte Verschmutzung des Spey ging anfangs noch für die Brennerei aus, endete aber mit Auflagen. Jetzt mag man meinen, damit wäre die Geschichte zu Ende - nein, denn auch das hier dargestellte Urteil zum Absatzbecken wurde dann letztendlich in dritter Instanz (House of Lords) revidiert und das nicht funktionierende Filtrationsverfahren als "gemeinsames Experiment" der Parteien bewertet.
Und dann gehen wir jetzt noch einmal ein zurück, und damit auf die wirtschaftliche Situation ein, denn dank eines öffentlichen Berichts über die Aktionärsversammlung im Herbst 1901 erfahren wir, wie sehr die Krise das Geschäftsjahr vom 1. Juli 1900 bis 30. Juni 1901 das Unternehmen traf. Der Nettogewinn brach auf £8.329 ein und das Unternehmen bedaure, dass den Vorzugsaktionären keine volle Dividende ausgeschüttet werden kann. Auf Grund der aktuellen Marktlage wurde die Produktion bei den Malt-Brennereien stark reduziert, sie waren nur in 8 von 12 Monaten im Betrieb und liefen nur mit halber Auslastung. Der Bestand an Whisky in den Lagerhäusern reduzierte sich um insgesamt 58.000 Gallonen. Im Falle der North of Scotland Distillery wurde die Produktion so weit wie möglich eingeschränkt, da sie auf Grund der hohen Preise für Mais und Kohle nur mit Verlust hätte betrieben werden können. Aktuell arbeitet sie auf Grund günstig beschaffter Rohstoffe wieder.
Zudem vermute ich ein Liquiditätsproblem, denn um Kreditsicherheit für einen Kontokorrentkredit zu schaffen, fand der Verkauf zweier Lagerhäuser direkt an der Carron Station an die Northern Storage Compay, mit Rückkaufpflicht innerhalb von 10 Jahren statt. Als Sicherheit für diese Rückkaufpflicht wurde Whiskybestand übertragen.
Und dann noch ein Wort zur Malt- und Grain Distillery „North of Scotland“, denn hier droht Verwechslungsgefahr. Wenn heute Single Grain der North of Scotland auftaucht, dann aus der 1980 stillgelegten North of Scotland Distillery in Cambus. Hier in unserem Unternehmen handelte es sich um die brandgefährliche North of Scotland Distillery in Aberdeen, welche vor der Übernahme durch Talisker / Dailuaine den Namen „Bon Accord“ trug. Brandgefährlich, weil sie es doch echt schaffte, mehrfach bis auf die Grundmauern abzubrennen (1885, 1904, 1910), die kleineren Feuer hier nicht mitgezählt.
Dailuaine - Von der Krise in die Katastrophe
1905 - 1917
Zunächst stabilisiert sich das Geschäft, die Geschäftsjahre 1906 und 1907/1908 wiesen Nettogewinne aus. Die Verkäufe liefen trotz anhaltender wirtschaftlicher Depression gut, so die Einschätzung des damalige Unternehmens. Verunsicherung gab es durch die ab 1905 geführte Klage und Auseinandersetzung rund um die Definition von Whisky, denn traditionelle Brennereien wollten durchsetzen, dass nur Whisky aus Pot Stills noch die Bezeichnung Whisky tragen dürfen. Wie wir heute wissen war die Klage nicht erfolgreich, denn Grain Whisky darf sich immer noch Whisky nennen.
Ende November 1908 ereignete sich ein schlimmer Arbeitsunfall in der Brennerei. Im Maischraum trägt der Arbeiter David Ross Harz auf einen Riemen auf, dabei wird seine Arbeitskleidung von einem rotierenden Bauteil erfasst. Ross wird von den Füßen gerissen und durch den Raum geschleudert. Neben mehreren gebrochenen Rippen wurde auch ein Bein schwer gequetscht, weshalb es amputiert werden musste. Er starb am 3. Dezember 1908.
Wirtschaftlich lief es also auf niedrigem Niveau stabil, bis zum ganz großen Knall. Das Geschäftsjahr 1909/1910 zeigt einen Verlust von £11.800. Die Gesellschaft kündigt an, unverzüglich einen Ausschuss gründen zu wollen, um das Geschäft neu aufzustellen. Klingt ein bisschen nach Panik, wobei es schon Gespräche mit der Highland Distilleries Company zur Übernahme gab. Dailuaine-Talisker sollte für £150.500 in diesem Unternehmen aufgehen. Mehrere Aktionäre werfen darauf den Direktoren daraufhin pflichtwidriges Handeln vor, da die Gesellschafter bisher nicht informiert wurden. Nach einem Machtkampf werden die Fusionspläne im Oktober 1910 aufgegeben. Im Folgejahr wurde das Vermögen der Brennerei neu bewertet und in der Bilanz drastisch nach unten korrigiert. Durch die Abschreibung der Werte sinkt das Kapital von £490.000 auf £194.000. 1911 und 1912 kann das Unternehmen dann wieder Gewinne ausweisen.
1912 gab es Streit zwischen der Eisenbahngesellschaft und der Dailuaine-Talisker Distilleries Limited um die Kosten und Arbeiten zum Gleisansschluss.
1914 findet sich wieder ein Nachweis über die Lagerung von Talisker Whisky auf dem Festland. Am 2. Januar 1914 heißt es, dass das Dampfschiff S.S. Bon Ami mit einer Ladung von mehr als 700 Fässern Whisky aus der Talisker Brennerei in Burghead einlief, von da aus transportierten vier Sonderzüge den Whisky nach Carron.
Am 13. März 1915 stirbt Thomas Mackenzie nach Krankheit im Dailuaine House, in welches er sich zuvor zur Erholung zurückzog. Aus dem kurzen Nachruf im "Dufftown News and Speyside Advertiser" geht hervor, dass James Fleming die Brennerei zwar pachtete, aber danach nie „Anteil an Dailuaine“ hatte, zugleich wird Thomas ab 1879 als Teilhaber bezeichnet, später wurde er geschäftsführender Teilhaber. Ich vermute gemeint war, dass James Fleming nicht operativ in die Brennerei eingebunden war, jedoch als stiller Teilhaber die Grundlage für Investitionen geschaffen hat. Thomas Mackenzie wurde 66 Jahre alt.
In Folge seines Todes ergab sich ein Erbstreit, da Mary Russell beim Court of Sessions beantragte, die Ehe mit Thomas festzustellen. Sie seien bereits seit dem 5. März 1901 durch gegenseitige Erklärung in rechtsgültiger Ehe. Zitat aus dem Prozess: "Eine Ehe sei ein Vertrag, der durch Einwilligung zustande komme. Nichts weniger als ein eindeutiger Beweis dieser Einwilligung sei ausreichend und nichts darüber hinaus sei erfolgreich. Wenn bewiesen sei, dass ein Mann und eine Frau bewusst und ausdrücklich ihre gegenseitige Zustimmung zur Ehe erklärt hätten, dann sei die Ehe vollständig zustande gekommen." Mary begann im Alter von 27 Jahren als Hausangestellte (tablemaid) für Thomas zu arbeiten, er hingegen war um die 50 Jahre alt, kinderlos und verwitwet. Sie führen anfangs eine außereheliche Beziehung und bekamen ein Kind, welches nur wenige Tage nach der Geburt verstarb. Das Urteil des Lord Dewar lautete: Mary Mackenzie war in einer vollständig zustandekommen und rechtskräftigen Ehe mit Thomas Mackenzie.
Aber zurück zur Brennerei. Ich finde leider keine Angaben zur Betriebstätigkeit, viele Brennereien mussten zumindest temporär ab 1910 schließen, einige wurden auch deutlich länger stillgelegt. Es scheint zumindest so, dass Dailuaine durchgehend in Betrieb war, wenn auch vielleicht mit eingeschränkten Kapazitäten. Im ersten Weltkrieg gehe ich zumindest von einer temporären Reduzierung durch Getreideknapp aus.
Apropos Weltkrieg. Am 28. Mai 1915 finde ich die Nachricht, dass Gefreiter Charles Jupp Munro, Angehöriger der Gordon Highlanders, durch ein Schrapnell an der linken Seite verwundet wurde. Seine Verletzungen sollen jedoch nicht schwerwiegend gewesen sein. Vor seinem Militärdienst war er in der Dailuaine Distillery beschäftigt. Kurz darauf findet sich die Nachricht, dass Gefreiter George Dustan verletzt wurde und sich im Lazarett befindet. Vor seinem Einsatz war er Büroangestellter der Brennerei. William McIntosh, Sohn des Dailuaine-Managers John McIntosh, wurde zudem zum Second Lieutenant befördert.
John McIntosh beantragte in seiner Funktion als Manager dann im Sommer 1916 auch die Freistellung für drei Männer, da ein Küfer, ein Hilfsküfer sowie der leitende Mälzer unentbehrlich waren. Die Brennerei verwies darauf, dass bereits 15 Beschäftigte zum Militärdienst eingerückt seien. Zwei der drei Betroffenen erhielten eine vorübergehende Freistellung bis November, der Antrag für den Hilfsküfer wurde abgelehnt.
Der Sommer 1916 war auch in anderer Hinsicht entscheidend. Ein Finanzbericht des Glasgow Herald vom 27. Juni 1916 veröffentlicht ein Kaufangebot der Distillery Company Limited (DCL), demnach bot man den Aktionären 25 Shilling je Aktie und die Vorzugsaktien (Preference Shares) zu £1 je Aktie.
Spannend im Vergleich zu heutigen Quellen, wonach Dailuaine erst 1925 zu DCL kam. Ich finde einen Bericht der Aktionärsversammlung der DCL vom 22. Juli 1916, demnach haben fast alle Aktionäre dem Angebot zugestimmt und die Übertragung der Aktien sei gerade in Gange. Neben Dailuaine, Talisker und Imperial erwarb DCL zudem auch drei Blending-Unternehmen: John Dewar & Sons Ltd, John Walker & Sons Ltd. sowie die W.P. Lowrie & Co. Ltd (Buchanan). Hier haben mal wieder ganz viele falsch von Wikipedia abgeschrieben….
Nur weil ich ihn oben bereits erwähnt habe, zur Vollständigkeit. William Mathew McIntosh, Sohn des Distillery Managers, fiel am 1. Juli 1916 im Alter von 22 Jahren in Nordfrankreich. Das war der erste Tag der britischen Offensive an der Somme.
Im Herbst 1916 sucht das Unternehmen via Zeitungsanoucen über all im Land dringend Maltmen (Mehrzahl) mit dem Hinweis, gesucht werden Männer über dem wehrpflichtigen Alter oder junge Burschen (Lads).
Alteransgabe hat damals übrigens gefetzt: Händler bewerben 1916 einen 10-jährigen Dailuaine zu 5 Shilling die Flasche. Im Februar 1917 suchte die Brennerei noch einen Lokführer, offensichtlich gab es jetzt den Gleisanschluss.
Wir haben also einen verstorbenen Eigentümer, einen im Krieg gefallenen Sohn des Distillery Managers und viele andere kamen gar nicht oder schwer gezeichnet zurück. Aber da gab es Dailuaine dann schon nicht mehr.
Am 16. Mai 1917 kam es an einem Aufzug der Malzmühle gegen 17 Uhr zur Explosion, woraus sich ein Großbrand entwickelte. Das Feuer breitete sich schnell auf das Brennhaus, drei Mälzereien und weitere Gebäude aus. Als die Feuerwehren aus Aberlour und Rothes eintrafen, stand der Großteil der Brennerei in Flammen. Das Still House und die Brennblasen waren gerade in Betrieb, sie wurden schwer beschädigt. Gegen 22 Uhr erlosch der Brand, nachdem die Dächer einstürzten. Da der Wind günstig stand, griff das Feuer nicht auf die Lagerhäuser über.
Ende 1917 finde ich noch einen Zustandsbericht über das Wirtschaft der Region, da heißt es, Innerhalb des vergangenen Jahres wurde nur wenig oder gar nicht gebaut; sowohl das Maurer- als auch das Zimmermannshandwerk kamen praktisch zum Stillstand.
Die Dailuaine Distillery wurde im späten Frühjahr niedergebrannt, doch ihr Wiederaufbau wurde auf günstigere Zeiten verschoben.
Während der vergangenen beiden Brennsaisons wurde aufgrund staatlicher Beschränkungen nur mit stark verringerter Produktionsmenge gearbeitet; in dieser Saison jedoch wurde die Schließung angeordnet, und sämtliche Brennereien stehen still.
Die damals moderne Dailuaine Distillery war die erste Brennerei, dessen Mälzereien Charles Cree Doig umbaute. Daraus entwickelte sich ein ganz eigener Stil und viele Brennereien folgten den Entwürfen von Doig und prägen die Landschaften Schottlands mit ihrer Architektur noch heute.
Der Neubau
1918 - 1925
Dailuaine war versichert und gleichzeitig konnte der Whisky durch die nicht betroffenen Lagerhäuser weiter gehandelt werden, daher wurde nach Ende des ersten Weltkrieges zügig der Wiederaufbau beschlossen.
Es gibt eine Meldung, welche die Baustelle beschreibt. Demnach sind im Mai 1919 zwischen ein- und zweihundert Männer beim Glasgower Bauunternehmen P. & W. Anderson Ltd. mit dem Wiederaufbau der Dailuaine Distillery beschäftigt. Die meisten der Männer waren in Baracken untergebracht, vor Ort gab es zudem einen Speiseraum und eine große Erholungshalle. In der Phase wurden waren die Arbeiter noch mit dem Abriss beschäftigt, vielleicht erfolgte parallel auch an einigen Stellen auch schon der Wiederaufbau. Im Juni 1919 fanden sie beim Abriss einer Darre eine Zeitkapsel von 1889. Diese enthielt neben zweier Zeitungen den Fahrplan der North British Railway, Briefmarken sowie einen Brief des verstorbenen Mr Lorimer. Im Oktober wird bereits wieder neues Personal für den Betrieb der Brennerei gesucht, allgemein ist in einer Anzeige von Brennereibeschäftigten und einem Vorarbeiter der Mälzerei die Rede.
Am 30. Dezember 1919 blickt das Banffshire Journal noch mal auf die wirtschaftliche Situation am Spey, demnach wurden die Bauarbeiten rasant vorangetrieben. Der wichtige Abschnitt dafür hier im übersetzten Original: "Am Spey herrschte beträchtliche Aktivität beim Wiederaufbau der Dailuaine Distillery, die vor etwa zweieinhalb Jahren durch einen Brand zerstört worden war. Sie ist in erheblich größerem Maßstab als zuvor wiederaufgebaut worden, und die Bauunternehmer waren Messrs P. & J. Anderson aus Glasgow und London. Sie machten sich unverzüglich mit den neuesten arbeitssparenden Maschinen ans Werk und beschäftigten den ganzen Sommer hindurch eine Mannschaft von etwa 300 Arbeitern; dabei machten sie rasche Fortschritte, und die Arbeiten nähern sich nun ihrer Vollendung. Das neue Gebäude wird die größte und bestausgestattete Brennerei im Norden sein."
Die Finanzberichte weisen immer noch den Namen Dailuaine-Talisker als Unternehmen aus. Ich vermute, dass die Aktien 1916 in großer Mehrheit an DCL gegangen sind, jedoch noch keine Verschmelzung stattfand. Die wirtschaftliche Lage war für Brennereien Ende 1916 auf Grund von Getreideknappheit schwierig, der Großbrand wird dann auch noch eine Rolle gespielt haben.
Ihren Betrieb nahm Dailuaine noch 1920 wieder auf, das ganze Jahr über wurde weiteres Personal gesucht.
Am Morgen des 20. Juni 1923 stirbt John MacIntosh im Alter von 60 Jahren an Herzversagen. Er war 16 Jahre lang Manager der Brennerei Dailuaine und erlebte Großbrand und Wiederinbetriebnahme. Er hinterließ eine Witwe und fünf erwachsene Kinder, eine Tochter und fünf Söhne. Laut Nachruf sammelte er seine ersten Erfahrungen in der Caledonian Distillery in Glasgow sowie in der North British Distillery in Edinburgh, anschließend wurde er Distillery Manager der Bon-Accord in Aberdeen und erlebte auch dort den Großbrand 1904. Um das Jahr 1907 müsste er dann die Stelle bei Dailuaine angetreten haben.
Am Abend des 20. Juni 1923 ergab sich dann noch ein zweiter Todesfall. Alexander Dawson und William Kemp, beide Automechaniker, wurden von ihrem Arbeitgeber zur Brennerei Dailuaine geschickt, wo sie ein Fahrzeug reparieren sollten. Während ihres Aufenthalts bekamen sie den ein oder anderen Schluck Whisky ausgeschenkt, Alexander einen „Nip“ und William zwei „Nips“, sie wurden jedoch nicht abgemessen sondern einfach in Trinkgläsern ausgeschenkt, so die spätere Zeugenaussage. Nach den Arbeiten machten sie sich mit ihrem Lastwagen mit ca. 20 Meilen die Stunde auf den Rückweg, William Kemp am Steuer. Andrew Shaw, Mashman bei Dailuaine, hörte einen Zusammenstoß. Sein Bruder und er liefen sofort in die Richtung des Geräusches und fanden den umgekippten Lastwagen, der vorher wohl eine Steinmauer am Straßenrand touchierte. William starb, Alexander wurde nahezu unverletzt auf eine Wiese geschleudert.
Am 24. Januar 1924 erscheint ein Artikel zum Firmenkonstrukt im Western Mail. Es fand ein Treffen zwischen der Buchanan-Dewar Ltd., John Walker & Co. sowie der DCL statt, um den Zusammenschluss der Gesellschaften zu erörtern. Alle drei Firmen werden mit ihren Beteiligungen genannt. Unter dem Passus „…Unternehmen wurden seither erworben und in das ursprüngliche Unternehmen eingegliedert…“ findet sich bereits seit 1916 eine Beteiligung an der Dailuaine-Talisker Distilleries Ltd. In der Aufzählung wird jedoch zwischen „kontrollierender Beteiligung“ und „Beteiligung“ unterschieden. Für mich klingt das so, als konnte die DCL nicht ohne Berücksichtigung der Interessen anderer Aktionäre z.B. bei der Benennung von Direktoren und wesentlichen Entscheidungen handeln, operativ war das Unternehmen dennoch in Strategie und Prozesse bereits integriert. Das Geschäftsjahr 1925/1926 verläuft dann erfolgreich, die Dailuaine-Talisker Ltd. kann ihren Aktionären eine reguläre Dividende von 10% sowie einen Bonus von 15% ausschütten. Aber noch einmal ein Sprung zurück ins Jahr 1924.
Denn am 19. Mai 1924 findet sich wieder eine ausführlichere Brennereibeschreibung, die heute im Reprint „The Distilleries of Great Britain and Ireland“ von James Eadie gedruckt ist.
Ähnlich wie Barnard schwärmt der Text von der landschaftlichen Schönheit, ich zitiere: „Kein Teil Schottlands ist reicher an landschaftlicher Schönheit als die Speyside, doch scheint die Natur die Umgebung von Dailuaine mit außergewöhnlicher Großzügigkeit mit ihren Gaben bedacht zu haben.“ Das Tal wird als schattiges Wunderland beschrieben, glitzernde Bäche, moosige Höhen des Ben Rinnes, einfach malerisch.
Drei der Bäche fließen zusammen und bilden den Carron Burn, der die Wasserräder u.a. für die Mälzereien antreibt. Die Brennerei erstreckt sich auf einem Grundstück über 5 Acres, zusätzlich sind zwei Farmen gepachtet, hauptsächlich zur Beseitigung der Abwässer. Kohle und Gerste werden mittels einer Betriebslokomotive über ein eigenes Anschlussgleis auf das Gelände gebracht. Die Größe der Malzböden und Getreidelager wird als gewaltig beschrieben. Zudem erfahren wir, dass im Trocknungsprozess des Malzes zum Großteil weiterhin Torf verwendet wird, gemischt mit Koks. Die vier Brennblasen werden leider nicht im Detail beschrieben, das Gesamtfassungsvermögen wird mit 27.100 Gallonen angegeben. Der wöchentliche Output mit 10.000 Proof Gallons, die Lagerhäuser fassen eine Million Gallons, also 4,55 Millionen Liter. Neben den beiden Wasserrädern wird die notwendige Energie mittels einer 25-PS Dampfmaschine erzeugt, der gesamte Betrieb sowie das Haus des Managers sind mit elektrischem Licht ausgestattet.
Und wisst ihr was mit Abstand das schönste an diesem Bericht ist? Die Fotodokumentation. Drei davon gebe ich hier aus ausreichender Qualität wieder.
Die weitere Geschichte kommt mir fast schon zu nah an die Gegenwart, ich halte ja gerne so 100 Jahre Abstand. Wenn Onkel Friedrich mich mit 67 Jahren in die Rente lässt, dann hab ich auch mehr Zeit für die jüngere Geschichte.
Aktuelle Dailuaine-Beiträge
Dailuaine 1995 - 2024, 29 Jahre, 50,1%. Morrison, Càrn Mòr. Bourbon Barrel 008565
Nase: Würzig und blumig, angenehm fruchtig. Kandierter Ingwer, Orangenabrieb und Pfirsich. Dazu Nektarine, Walnüsse, Pfeffer und Muskat, Zedernholz und Sultaninen. Zudem finde ich reife Äpfel in Lindenblütenhonig und sogar ein Hauch Birne. Nach etwas Zeit wird der Whisky milder und blumiger, die Fruchtaromen kommen herrlich zum Vorschein. Mirabellen kommen dazu, auch Honigmelone und Aprikosen.
Gaumen: Weiterhin mit reifen Früchten, die Gewürze nehmen jedoch deutlich zu. Zimt und Sternanis fallen mir auf. Orangenabrieb, Bratäpfel, Apfelkuchen mit Streusel, eingelegte Birnen und Bienenwachs.
Abgang: Lang, elegant und fruchtig. Eine leichte Honigsüße und milde Gewürze.
Fazit: Wirklich eine super Abfüllung, vielleicht finde ich noch einmal eine Flasche für mich. 90/100 Punkte (2026)
Dailuaine 2009 - 2024, 15 Jahre, 52,2%. Cadenhead’s Chairman’s Stock. Finish im Ruby Port Hogshead
Nase: Der Portwein ist deutlich spürbar und bringt süße Kirschen und Brombeeren mit sich, dazu etwas Himbeermarmelade, überreife Pflaumen und etwas Schokolade. Dazu ein Hauch von Gewürzen, darunter Piment und Kardamom.
Gaumen: Süß, die Fruchtaromen wirken auf mich nun deutlich trockener. Backpflaumen, getrocknete Brombeeren, Kirschkuchen. Die Gewürze hingegen sind deutlich stärker und zeigen sich mit Piment, Zimt und Pfeffer. Dazu Kakao und Milchkaffee. Je länger der Whisky im Mund verweilt, umso kräftiger wirkt er.
Abgang: Mittellang, die sich aufgebaute Kraft entlädt sich nun mit viel Holzwürze und bitteren Tanninen. Espresso, Johannisbeeren, dunkle Schokolade, Kurkuma, Piment und Pfeffer.
Fazit: Kein schlechter Whisky, allerdings zeigt sich diese Abfüllung von zwei Seiten. Im Geruch und auch anfangs noch im Geschmack zeigt der Dailuaine wunderbare Fruchtaromen, bevor diese von würzigen und bitteren Noten verdrängt werden. Dieser break kommt ein bisschen plötzlich und mag vielleicht aufgesetzt wirken, ist aber auch faszinierend. Für mich ein Whisky für die kältere Jahreszeit. 85/100 Punkte (2026)
Frühere Beiträge
Dailuaine 1980 -1999, 19 Jahre, 55,2% alc. Abfüller: Mackillop’s Choice. Ausbau: Fass Nr. 1236
Nase: Heublumen, Gräser und leicht fruchtige Aromen, darunter etwas unreife Birne und leichte Sommeräpfel. Dazu finde ich ein wenig Zitronengras, ein Hauch von Veilchen und angenehme Malznoten. Im Hintergrund halten sich Kerzenwachs und ein wenig Limette.
Gaumen: Intensiv, würzig und klebrig süß. Das Heu ist nur kurz zurück, dann kommen Kandiszucker und Zuckerrübensirup, Pfeffer und Eichenholz, Ahornsirup und Apfelbonbons. Ich finde zudem Malz und eich Hauch von gebrannten Mandeln.
Abgang: Lang, reif und viel Eiche. Warmer Zucker, etwas Pfeffer und Muskat.
Fazit: In Der Nase noch unheimlich grasig und leicht, danach ein sehr süßer und vom Holz geprägter Likör. Überraschender Dailuiane 87/100 Punkte (2022).
Dailuaine 1997 - 2020, 23 Jahre, 55,4% alc. Abfüller: Wilson & Morgan. Ausbau: 6 Jahre Nachreifung in Oloroso-Sherryfässern (Fassnummern 15584 und 85)
Nase: Im ersten Eindruck ausgewogen zwischen Süße und schärferen Gewürzen. Aprikosengelee, Orangenmarmelade mit Zimt, Birnenkompott. Mit der Zeit wird der Whisky ruhiger und wirkt fast schon sanft. Etwas Plundergebäck mit Puderzucker und ganz zarter Vanillenote, außerdem verdünnter Pfirsicheistee. Im Hintergrund erinnert etwas an leicht angebrannte Küchenkräuter und Ingwer.
Gaumen: Fruchtig süß, intensiv, Eichenholz und Gewürze. Er beginnt mit reifen Pfirsichen und getrockneten Aprikosen, dazu kommt Gebäck mit roten Johannisbeeren. Ich finde zudem Zuckerrüben und reife Pflaumen, einige gebrannte Mandeln und etwas verbrannten Pizzateig, auch hier wieder mit einer leichten Kräuternote. Eine angenehme Bitterkeit füllt den Mundraum, dazu kommen trockene Eiche und milder Pfeffer.
Abgang: Lang und trocken, weniger süß und mehr Eichenholz. Getrocknete Früchte, kubanischer Tabak und Süßholz.
Fazit: Durch seinen Eichenholzeinschlag und die bittere Komponente für manch einen Neuling in der Whiskywelt bestimmt überraschend. Euch sei versichert, so müssen länger gereifte Single Malts sein! Ein gelungener Dailuaine mit schöner Tiefe und viel Fass. 88/100 Punkte (2022)














